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Wladimir Kaminer & Juliane Fürst: Ist es leicht, jung zu sein?

Gesprochenes Talk

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Ein Gespräch mit Wladimir Kaminer und Juliane Fürst über die sowjetische Jugend, die Perestroika und das Ende der Sowjetunion.

Ist es leicht, jung zu sein?, fragte Juris Podnieks 1986 in seinem gleichnamigen Dokumentar-film über die junge Generation der 80er Jahre. Der Film brach mit vielen Tabus: Er zeigte ein Konzert einer verbotenen Punkband; junge Hooligans, die sich in Vorortzügen flegelten und randalierten; kaputte und orientierungslose Afghanistanrückkehrer; junge Mütter, die sich um die Folgen von Tschernobyl sorgten. Trotzdem, oder gerade deshalb, wurde der Film schnell Kult, genau wie die Rockikonen der jungen Perestroikageneration - Viktor Tsoi, Boris Grebenschikow, Jurij Schewtschuk. Neue Subkulturen, die unter dem Begriff Neformaly fungierten, schossen bald wie Pilze aus dem unstabilen Boden der untergehenden Sowjetunion. Politisch gab es bald für jede Ideologie – vom Faschismus über den Zionismus bis zum Anarchismus – eine Vereinigung. Stilistisch wurde alles ausprobiert, von Retro-Teddy-Boys bis Punk und Glamrock. Aber die Geschichte der wilden sowjetischen Jugend ist dreißig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion in Vergessenheit geraten, obwohl sie gerade jetzt, wo junge Leute in Russland und Belarus auf die Straße gehen, ihre Kunst als Protest verstehen und sich versteckte Nischenexistenzen aufbauen, wieder neue Relevanz hat.

Der Schriftsteller und Zeitzeuge Wladimir Kaminer war 23 Jahre alt, als er Moskau 1990 in Richtung Berlin verließ. Die Jahre davor verbrachte er in der wilden spätsowjetischen Jugendszene, in der man an allen Ecken Musik, Protest und jugendliche Identitätsfindung machte und die er in Form seiner Russendisko mit sich nach Berlin brachte. Einige seiner Erinnerungen von der Götterdämmerung des sowjetischen Imperiums finden sich in seinen Werken wieder.

Die Historikerin Juliane Fürst besuchte in den späten 80ern noch eine Klosterschule in München. Sie kam erst durch ein Projekt über die sowjetische 1968er Generation mit dem alternativen Milieu in der Sowjetunion in Berührung und schrieb darüber ein Buch, das in diesem Jahr unter dem Titel "Flowers through Concrete: Explorations in Soviet Hippieland" erschien.

Moderiert wird das Gespräch von Gabriele Freitag, der Leiterin der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde.

Der Eintritt ist frei!

Für den Besuch der Veranstaltung gilt die 2G-Regelung. Anmeldung unter kontakt@offen-fuer-kultur.berlin.

Das Gespräch wird live auf dem YouTube-Kanal der Stadtbibliothek Berlin-Mitte übertragen.

 

Eine Kooperationsveranstaltung von OFFEN FÜR KULTUR, Leibniz-Zentrum für zeithistorische Forschung Potsdam, Deutsche Gesellschaft für Osteuropakunde e. V. und Krach 1991.

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