FOTO: © Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz

Restitution Art Lab - Zur Rückkehr der afrikanischen Kulturgüter Nguetsa, Assomo, Njobati (Kamerun); Likunzi, the Bird (Angola); Barreiros, Furtado (Portugal); Neumann, Paradise Garden Team (Berlin) • Performance

Theater

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Restitution Art Lab – Zur Rückkehr der afrikanischen Kulturgüter nimmt es mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Verbindung zu verschiedenen afrikanischen Gesellschaften auf. Das künstlerische Labor von Paradise Garden verfolgt gemeinsam mit portugiesischen Partner:innen sowie Partner:innen aus Angola (als ehemalige portugiesische Kolonie) und Kamerun (als ehemalige deutsche Kolonie) die Fragen: Wie und warum wurden die afrikanischen Kulturgüter gesammelt? Welche Bedeutung haben sie heute und für wen? Wer erhebt Anspruch auf sie und mit welcher Begründung?

Seit mindestens 50 Jahren diskutiert Europa über die Restitution kolonialer Museumsbestände an afrikanische Herkunftsgesellschaften. Wie kann es also sein, dass heute – im Jahr 2022 – immer noch kaum Kunstschätze zurückgegeben wurden? Bénédicte Savoy schreibt in ihrem Buch Afrikas Kampf um seine Kunst: „Der Kampf um Afrikas Erbe ist nicht nur ein Kampf der Afrikaner. Er ist auch in Europa ein Kampf zwischen Außen- und Innenpolitik, zwischen Diplomatie und Museen, zwischen Information und Desinformation. Dieser Kampf gleicht einem theatralischen Spektakel, das gnadenlos die Machtungleichheiten der kolonialen Kontinuität entlarvt.“

Das Projekt macht die bisher meist in den Feuilletons geführten Diskussionen um die Rückgabe afrikanischer Kulturgüter einer breiten Öffentlichkeit in einem Hybrid aus Theater, Performance, filmischer Dokumentation und Symposium zugänglich.

Sylvie Njobati ist eine Aktivistin und Multimedia-Künstlerin aus Kamerun, genauer gesagt aus Nso, und ihr Großvater bat sie auf dem Sterbebett, die Ngonnso aus Berlin zurückzubringen: Eine mit Kaurischnecken bedeckte, stehende Holzfigur, die als Abbild oder Verkörperung der Nso-Gründungsmutter gilt und 1902 während der deutschen Kolonialzeit unter nicht mehr eindeutig erklärbaren Umständen durch den preußischen Offizier Kurt von Pavel nach Berlin kam. Begleitet wird sie durch Landry Nguetsa, ein kamerunischer Schauspieler und Regisseur, der davon überzeugt ist, dass die Kulturgüter, nach ihrer Rückgabe und ihrer Ausstellung in den Museen ihrer Ursprungsgesellschaften, finanzielle Einnahmen generieren, die zur lokalen Entwicklung beitragen.

Jaliya The Bird ist eine angolanische Schriftstellerin, Dichterin und Performerin. Ihre Arbeit erforscht die Erfahrung, eine Frau, eine Schwarze und eine Afrikanerin zu sein und sie fragt sich, inwieweit die Rückkehr der ikonischen Skulptur des Kulturheros Chibinda Ilunga, dafür sorgen kann, zerstückelte postkoloniale Identität in ihrer Heimat zu heilen. Der Chibinda Ilunga, der als Begründer der Lunda- und Chokwe-Königtümer gilt, befindet sich ebenfalls im Ethnologische Museum Berlin. Zusammen mit Tila Likunzi, einer unabhängigen Kuratorin aus Angola erforscht sie die Gemeinsamkeiten zwischen zeitgenössischer Kunst aus Afrika, kritischer Theorie und dekolonialen Praktiken. In wie weit ist die Rückgabedebatte eine Reproduktion kolonialer Muster?

Inês Beleza Barreiros und Kitty Furtado sind praxisorientierte Forscherinnen im Bereich der visuellen Kunst, die sich aktiv an der aktuellen Debatte über das Fortbestehen kolonialer Strukturen, insbesondere des Rassismus, und an der Forderung nach Wiedergutmachung beteiligen. Inês hat einen Hintergrund in Kunstgeschichte und Kitty in Theater. Beide kommen aus Portugal, einer ehemaligen Kolonialmacht, wo die Debatte über die Rückgabe von Kulturgütern praktisch tabu ist. Warum das so ist, obwohl die portugiesischen Museen und Institutionen mit Raubgut gefüllt sind, und welche Formen diese Nicht-Debatte annimmt, sind Schlüsselaspekte, die sie in ihrer Zusammenarbeit für Restitution Art Lab untersuchen.

Jens Vilela Neumann, leitet Paradise Garden künstlerisch und fordert die Offenlegung und die online-Verfügbarkeit der Archive europäischer Museen mit kolonialen Beständen.1976, in seinem Geburtsjahr, schrieb die Westdeutsche Zeitschrift der Monitor: „60 Jahre nachdem Deutschland seine Kolonien verloren hat, sind deutsche Ethnologen tief gespalten über die Frage der Rückgabe von Kunstwerken, die während der Kolonialzeit in deutsche Museen gebracht wurden, an ihre Herkunftsländer.”

MIT:Kamerun: Sylvie Njobati, Landry Nguetsa, Juvenil AssomoAngola: Tila Likunzi, Jaliya The Bird, Helena UambembePortugal: Inês Beleza Barreiros, Kitty FurtadoTeam Paradise Garden: Robert Rickli, Melwin Funk, Mystha Mandersloot, Christine Wünsch, Alvaro Sanchez, Phillip Von Rothkirch, Jens Vilela Neumann

Zur Website des Projekts [http://paradisegardenproductions.com/project/work-in-progress-restitution-art-lab]

Location

Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
Rosa-Luxemburg-Platz,n
10178 Berlin

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