FOTO: © Lameck Orina

JUA KALI

Theater Theater

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Und jeden Morgen gehen sie zur Arbeit. Das Gehen an sich ist Arbeit. Viele versuchen, dem Gehen zu entgehen. Sie reparieren, recyceln, hämmern, vor Ort. Metall, Gummi, Funken, Flipflops. Und jeden Morgen steigen sie in die Bahn und rasen ratternd gen Haltestelle. Sie drücken sich ins Abteil, Rücken an Rücken, und warten, bis ihr Ziel per Lautsprecher angekündigt wird. Sie steigen ein, sie steigen aus, sie steigen Treppen. Die Kacheln riechen nach Urin, plattgetretene Kaugummis auf dem Boden.

Alle gehen. Irgendwohin. In Nairobi zum Matatu, in Berlin zur U8. Die Sohlen auf dem Asphalt, der Blick konzentriert. Weichen sich aus, oder nicht, halten Abstand, oder nicht, die Rolltreppe ist kaputt. Menschen, Güter, zirkulieren in Nairobi, in Berlin. Bürger*innen, Generationen später, nachdem die erste Straße asphaltiert, das erste Haus gebaut wurde, setzen einen Fuß vor den anderen. Die Briten wohnten damals im schönen Viertel, der Rest...jetzt ist 2021, und die Stadt ist immer noch da. Die U9 fährt täglich ihren Schlenker um den "Ostsektor". "Sie haben Ihr Ziel erreicht."

Die kenianisch-deutsche Tanzproduktion JUA KALI von Jared Onyango und Lea Pischke setzt sich mit dem täglichen Gehverhalten der Bürger*innen in den Städten Nairobi und Berlin auseinander und fragt sich, wie die stadteigenen, politischen Bedingtheiten eine so typisch menschliche Praxis beeinflussen. Der Gang als tägliche Erfahrung einer in Straßennetzen verewigten Kolonialgeschichte. Der Gang als physische Erinnerung an einen vierzig Jahre währenden Ideologienkampf. In JUA KALI wird das menschliche Sich-Fortbewegen als universelles Motiv aufgegriffen und in einem ästhetischen Raum auf seine unterschiedlichen Bedeutungsebenen hin untersucht.

Preisinformation:

9.00 - 14.00€

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