DIE TRÄUME DER ABWESENDEN

TAGESTIPP 2G+ Theater

Das sagt der/die Veranstalter:in:

«Meine Erinnerungen drehen sich um die Zukunft. Ich erinnere mich an alles, was noch geschehen wird.»

Judith Herzberg zeichnet in ihrer Trilogie mit feinem Humor und leichter Hand das Porträt einer jüdischen Großfamilie aus Amsterdam zwischen den 1970er-Jahren und der Jahrtausendwende. Es ist eine Chronik der Gefühle und verwickelten Beziehungen. In einem Reigen über drei Generationen hinweg wird geheiratet, werden Kinder gezeugt, finden Trennungen statt, wird sich neu verliebt – und wieder geheiratet. Nach außen hin führen die Familienmitglieder und ihre Freund*innen das alltägliche Leben ihrer Zeitgenoss*innen, und wenn sie sich bei Hochzeiten oder Begräbnissen treffen, wird geredet, getanzt, geliebt und gestritten. Doch ganz beiläufig und unvermittelt zeigen sich hinter der fröhlichen Fassade Einblicke in ein verwundetes Seelenleben. Es sind die Geschichten von Überlebenden des Holocaust und ihrer Nachkommen, in deren Körper sich die Traumata der Verfolgung und Shoah tief eingeschrieben haben. Sich von der Vergangenheit zu lösen, scheint unmöglich, und wie ein unsichtbares Vermächtnis werden die Bilder und Erinnerungen von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Aber trotzdem geht ihr Leben weiter, sie tanzen, lieben, heiraten aufs Neue und bleiben dabei unentwegt auf der Suche nach einem Neuanfang.

Die Lyrikerin und Dramatikerin Judith Herzberg, geboren 1934 in Amsterdam, überlebte als Kind den Holocaust bei einer «Kriegsmutter» auf dem Land. Sie wurde für ihr literarisches Werk mehrfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem höchsten Preis für niederländische Literatur. Stephan Kimmig ist ein langjähriger künstlerischer Wegbegleiter von Judith Herzberg und ihrem groß angelegten Schreibprojekt. Für «Die Träume der Abwesenden», Stephan Kimmigs erste Arbeit am Residenztheater, hat sie darüber hinaus den Monolog «Die Linkshändigen» zur Verfügung gestellt, der im Rahmen der Trilogie uraufgeführt wird.

ERINNERUNG UND VERMÄCHTNIS

Die Uraufführung von Alfred Neumanns Roman «Es waren ihrer sechs» führt die programmatische Linie weiter, die mit Judith Herzbergs Stücktrilogie «Die Träume der Abwesenden» zu Beginn der Spielzeit gesetzt wurde: Es geht um Erinnerung und Vermächtnis; darum was Erinnerungskultur bis heute leistet und wie sie künftig aussehen kann. Der bewusste Wille zum Vergessen, der Wunsch nach einem Schlussstrich wird zusehends lauter formuliert und die nur noch wenigen lebenden Zeitzeugen immer weniger gehört.

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