FOTO: © 2022_Arghavan_Khosravi_Truth Be Told_KOENIG GALERIE_Berlin_Germany_Photo Roman Maerz (2)

ARGHAVAN KHOSRAVI | TRUTH BE TOLD

2G Ausstellung Art

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Die KÖNIG GALERIE präsentiert die erste Einzelausstellung von Arghavan Khosravi in Deutschland. TRUTH BE TOLD umfasst eine Gruppe von elf neuen Mixed-Media-Gemälden, in denen die iranische Künstlerin die Unterdrückung von Frauen in autoritären Regimen oder patriarchalischen Gesellschaften thematisiert. Khosravis figurative Arbeiten sind symbolisch aufgeladen und durch das Nebeneinander von kontrastierenden Bildelementen oder -schichten, die zwei- oder dreidimensional sein können, zugleich unheimlich rätselhaft.



Khosravi zeigt in ihren Arbeiten meist weibliche Figuren, die sich nicht frei bewegen können. Oft scheinen sie in einem Alptraum gefangen, in dem sie am Weglaufen gehindert werden: ihre Beine stecken im Betonboden oder tiefen Löchern fest; ihre Handgelenke und Arme sind gefesselt, ihre Stimme erstickt unter Wasser oder in einem über ihren Kopf gestülpten Eimer. Eine Frau verschwindet hinter zugezogenen Gardinen, andere scheinen ihre Finger an etwas Verbotenem verbrannt zu haben.



Im Mittelpunkt der Ausstellung steht THE BATTLE, das komplexeste Werk der Gruppe, das Khosravi aus mehreren massiven Holztafeln zusammengesetzt hat. Die dreiteilige Komposition erinnert an ein mittelalterliches Altarbild. Diese Qualität wird mit einer an die persische Miniaturmalerei angelehnten Bildsprache kombiniert: eine Kampfszene, die sich von den äußeren rechten und linken Rändern der größten, horizontalen Tafel zur Mitte hinbewegt. Die zentrale, vertikale Tafel zeigt den Körper einer Frau, die eine elegante Bluse trägt.



Ein gemeinsames Element aller Werke in der Ausstellung sind rote oder schwarze Linien, die Khosravi als Abstraktion von Fesseln oder Ketten verwendet. Sie sind entweder malerisch ausgeführt, oder erscheinen in Form von Schnüren, Kordeln und anderen Materialien, die Khosravi in ihre Gemälde integriert. An der Stelle des Frauenkopfes lässt Khosravi eine Lücke klaffen, die den Blick auf schwarze Schnüre freigibt, durch welche sie mit den Soldaten auf beiden Bildseiten verbunden ist. Schlachtszenen in Khosravis Werken beziehen sich weniger auf einen tatsächlichen Krieg, sondern stehen für die Kämpfe, die Frauen führen müssen, um sich von den Regeln und Einschränkungen zu befreien, die ihnen das Patriarchat auferlegt.



Wann immer Khosravi goldene Linien in ihre Werke einbindet, können sie als Zeichen der Hoffnung gesehen werden  ähnlich wie die goldenen Strahlen, die in der Sakralkunst eine heilige Person kennzeichnen. Goldene Schnüre in der Hand der dargestellten Frau sind mit der antiken Frauenbüste im Vordergrund des Bildes verbunden und betonen so die dreidimensionale, skulpturale Komponente. Antike Skulpturen in Khosravis Arbeiten verweisen auf die Vergangenheit  in diesem Fall auf die jahrhundertealte Geschichte der Unterdrückung der Frau. In ihrer Hand scheint die Frau die Quelle des goldenen Lichts zu halten, das hell leuchtet und Hoffnung für andere Frauen verbreitet, die sich gegen ihre Unterdrücker auflehnen.



Bildung kann einen Weg heraus aus Einschränkungen und Abhängigkeiten führen. THE READING zeigt eine Frau, die ein Buch hält. Licht scheint durch Risse in der zerbrochenen Büste eines römischen Kaisers, eines gefallenen Patriarchen, der jetzt wie ein Überbleibsel aus der Vergangenheit erscheint.



Khosravis surrealistische Werke leben von der Gegenüberstellung konträrer Bildwelten. In ihnen bringt die Künstlerin ihre Erfahrungen mit Frauenunterdrückung, dem Zusammenprall verschiedener Kulturen, Entwurzelung und dem Ringen zwischen Tradition und Moderne zum Ausdruck. In THE STAGE trifft der Innenraum eines Theaters auf offenen Himmel. Die beiden Figuren auf der Bühne sind einem Raster unterworfen, da die Bildebene aus einzelnen Tafeln aufgebaut ist. Auch die Fesseln am Handgelenk der jungen Frau spielen auf Zensur und Unterdrückung an: „Wenn man im Iran lebt, gibt es immer und überall rote Linien. Man muss aufpassen,“ sagt Khosravi. Düsteren Szenen wie dieser versucht die Künstlerin bisweilen, eine komische Wendung hinzuzufügen. Die Stimme der Frau im Bild wird ironischerweise ohnehin durch einen Eimer über ihrem Kopf abgedämpft.



Religion wird in autoritären Gesellschaften oft als Vorwand für Unterdrückung missbraucht. In THE MIRAJ spielt Khosravi auf eine ikonische Szene aus dem islamischen Glauben bezüglich der Himmelfahrt Mohammeds an. Die Szene wurde in der persischen Miniaturmalerei häufig dargestellt und zeigt in der Regel den von Flammen umgebenen Körper des Heiligen. In ihrer Adaption färbt Khosravi diese Flammen schwarz und lässt anstelle des Propheten eine leere Silhouette erscheinen.



Arghavan Khosravi malt Frauen ihrer Generation, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben wie sie, als sie im Iran aufwuchs. Anstatt sie ausschließlich als Opfer darzustellen, zeigt sie vielmehr starke Frauen, die ihre Möglichkeiten nutzen, um für ihre Rechte einzustehen und ihre Lebenssituation zu verbessern. Durch die Kombination von Bildmaterial aus verschiedenen kulturellen und historischen Hintergründen gelingt es der Künstlerin, ihren persönlichen Erfahrungen universelle Bedeutung zu verleihen.

 

 

BIO



Arghavan Khosravi (geb. 1984, Shahr-e-Kord) wuchs im Iran auf und zog 2015 in die Vereinigten Staaten, wo sie noch immer lebt und arbeitet. Nach einem BFA in Grafikdesign an der Tehran Azad University und einem MFA in Illustration an der University of Tehran hat sie außerdem einen MFA an der Rhode Island School of Design erhalten.

Khosravis Arbeiten werden 2022 im Currier Museum of Art, Manchester, NH, und im Rose Art Museum, MA, zu sehen sein. Zuvor hatte die Künstlerin Ausstellungen im Orlando Museum of Art, im Museum of Contemporary Art, Yinchuan, China, im Newport Art Museum, RI, in der Provincetown Art Association and Museum, MA, in der Rachel Uffner Gallery, New York, im M+B, Los Angeles, in der Stems Gallery, Brüssel, und bei Carl Kostyál, London.



Ihre Arbeiten befinden sich in mehreren institutionellen Sammlungen, wie dem Rose Art Museum in Waltham, MA, dem Rhode Island School of Design Museum in Providence, RI, dem Newport Art Museum, RI, dem X Museum, Peking, China, und der Recharge Foundation, New York, sowie in mehreren privaten Sammlungen.

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