FOTO: © Abraham Cruzvillegas, Haussmanian Leftovers, Photo: Richard Lenoir, 2007

Abraham Cruzvillegas: Unbetiteltes Tautologisches Selbstportrait

Ausstellung Kunst

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Die Galerie Thomas Schulte freut sich, dass Abraham Cruzvillegas die Einladung angenommen hat, eine neue ortsspezifische Arbeit für die Galerie zu realisieren, die erstmals während der Art Week Berlin 2021 präsentiert wird. Die vielfarbige Installation Unbetiteltes Tautologisches Selbstportrait erstreckt sich über die beiden neun Meter hohen Wände des Corner Space und besteht aus Schachteln und Kartons unterschiedlicher Form und Größe, deren Böden in unterschiedlichen Farbtönen bemalt sind.

Für seine Installationen und Skulpturen verwendet Abraham Cruzvillegas häufig ausrangierte, industriell hergestellte, einfache Alltagsgegenstände. Zur Vorbereitung seiner Installation in der Galerie Thomas Schulte hat der Künstler die Mitarbeiter*innen der Galerie gebeten, alle Arten von leeren Verpackungen zu sammeln wie beispielsweise Schuh- und Eierkartons, Müsli-, Schokoladen-, Pizza- oder Reisschachteln, Verpackungen für Haushaltsgeräte, Seifen etc. Die Schachtelböden sind in 34 verschiedenen Farben aus einem System bemalt, das der Künstler erstmals in seinem Beitrag zur documenta 2012 verwendete.

In Cruzvillegas' Farbschema steht jede Farbe für eine bestimmte Idee, Absicht oder Qualität, die in den letzten Jahrzehnten eine Konstante im Werk des Künstlers war und Bezug nimmt auf eine Reihe von Projekten seiner künstlerischen Praxis, die er „Autoconstrucción“ nennt. Der Begriff beschreibt ursprünglich die Selbstbaumethoden von Gemeinschaften wie auch die seiner eigenen Familie. „Autoconstrucción“ beschreibt also eine kulturelle Praxis: Die kollektive Dynamik des Sammelns und Aneignens von gefundenen Materialien zum Bau von Unterkünften und Wohnungen, die aus Mangel, Solidarität und Zufall erfindungsreich und mit großem handwerklichen Geschick entstehen. Qualitäten, die auch Cruzvillegas' Praxis zugrunde liegen: "Autoconstrucción bedeutet für mich Transformation. Ich wende diesen Begriff auf Häuser an, die gleichzeitig gebaut und zerstört werden, je nach den spezifischen Bedürfnissen ihrer Bewohner. Veränderung ist die Regel für die Autoconstrucción-Häuser, und die Verwandlung der Identität ist der Grund für meine Herangehensweise (oder den Missbrauch) des Konzepts: Die Selbstkonstruktion ist permanent unvollendet."

Cruzvillegas' Arbeit für die Galerie Thomas Schulte ist in zweierlei Hinsicht ortsspezifisch: Zum einen wurde die rasterartige Collage aus Kisten an die Dimensionen des Raums angepasst; zum anderen spiegeln die für die Installation gesammelten Materialien das Konsumverhalten der Menschen wider, die dort arbeiten. Unbetiteltes Tautologisches Selbstportrait kann somit als Konsumkritik verstanden werden und ist gleichzeitig eine Reflexion über das Wesen von Zusammenarbeit, Austausch und Identität. Für Cruzvillegas ist die Persönlichkeit eines Menschen von der Summe seiner Beziehungen und Begegnungen mit anderen Menschen geprägt.

Die Ausstellung wird gefördert von der Stiftung Kulturfonds/NEUSTART KULTUR.

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