FOTO: © Henry-Louis Mermod

Faust | Horwitz & Friends

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Ein exquisites Ensemble hat sich hier zusammengefunden: Virtuosen ihres Fachs, neuer und alter Musik gleichermaßen zugetan, Teamplayer in renommierten kleinen und großen Formationen – ein Ensemble, wie man es für dieses Stück braucht, in dem jede*r solistisch und als Interagierende*r gefordert ist. Die Seele des Ganzen ist die Violine, das Instrument, das der Soldat für ein Reichmachbuch mit Einsamkeitsverpflichtung drangibt. Das musikalische Emblem ist ein Marsch, der den Soldaten durch die Geschichte geleitet, um ihn herum eine Vielzahl von Genres vom kleinen und großen Choral bis zu den Modetänzen der sich anbahnenden 1920er-Jahre – Strawinsky konnte sie in Paris hautnah erleben und studieren. Die Geschichte selbst vermittelt ein Erzähler; direkte Reden der Protagonist*innen sind eingebaut. Der Stoff stammt aus Märchen und passte doch in die Realität des Großen Krieges in seiner Endphase. Der Soldat geht mit dem Teufel einen Tausch ein: Geige gegen Zauberbuch. Das macht ihn zwar reich, aber keiner kennt ihn danach mehr. Als er einer Teufelin die Geige entwindet, kann er sie nicht mehr spielen. Erst nachdem er Reichtum und Zauberbuch zerstört hat, heilt sein Geigenspiel eine Prinzessin von ihrer Schwermut. Sie wird seine Frau. Als er mit ihr in seine Heimat ziehen will und dabei die Grenze überschreitet, die er mit dem Teufel vereinbarte, wird er von diesem bereits erwartet. Das Stück wurde für eine Wanderbühne geschrieben, es nimmt die Tradition des Vagantentheaters auf und kreiert eine Form, die der Ästhetik des Großen, Überwältigenden entgegentritt. Der teufelspaktierende Soldat ist ein Mann aus dem Volk, ähnlich wie die Soldaten und Tambourgesellen in Gustav Mahlers „Wunderhornliedern“: An ihm offenbart sich drastisch das teuflische Zusammenspiel zwischen Not, Repression und Sehnsucht nach dem großen Leben.

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