FOTO: © Pavel Heijnz

Jakub Hrůša dirigiert Bruckners Vierte und eine Uraufführung

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Das Neue ist mehr als ein Vorspruch zum Tradierten. Es setzt die Perspektiven. In Olga Neuwirths Kompositionen kommen sie aus und weisen sie stets in mehrere Richtungen. Eindeutigkeit entspricht nicht dem Wesen der Kunst. Neuwirth „schafft ein vielsinniges Beziehungsnetz, indem sie nicht nur musikalische, sondern auch Elemente aus dem täglichen Leben, aus Literatur, Wissenschaft und Film einbezieht. Ihre Werke sind Reisen in Zeit und Raum. Manchmal zitieren sie Vergangenes (sie nennt dies ‚Räume der Erinnerung‘) und meinen die Gegenwart. Aus Schnipseln unterschiedlichster Art entsteht ein Geflecht, das die Hörer in einen Mahlstrom der Empfindungen zieht“ – durch die unmittelbare Wirkung ihrer Musik. Kunst ist unberechenbar, ihre Eindeutigkeit oft nur eine Mischung aus Wunsch und Anschein. Beispiel Anton Bruckner: Nicht nur von seiner Vierten Symphonie existieren mehrere Fassungen. Welche die gültige sei, wurde lange mit dem Hinweis auf die Version „letzter Hand“ beantwortet. Doch bei ihr waren oft noch andere Hände als Bruckners eigene am Werk. Unter anderem deshalb setzte sich mehr und mehr die Haltung durch, die verschiedenen Fassungen als unterschiedliche Ansichten einer Werkidee zu betrachten. Bei der Vierten werden auch die Erinnerungsräume, die Bruckner im Untertitel „Die Romantische“ andeutet, jeweils anders ausgeleuchtet. Unterschiedlich gerät weniger der Aufbruch des Werkes mit seinen auffordernden Hornrufen, sondern vor allem die Ankunft im Finale. Der heitere Charakter der ersten beiden Versionen erscheint in der dritten zurückgenommen und eingedunkelt, die große Schlussgeste reckt sich ins Zwielicht.

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