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TANZ - Florentina Holzinger

TAGESTIPP Theater Dance

Eine sylphidische Träumerei in Stunts

»Sie ist keine, die aufhört, wenn es wehtut«, schrieb ›Die Zeit‹ über Florentina Holzinger, die aktuell als eine der aufregendsten Performerinnen gilt. Die Wienerin bereichert die internationale Performanceszene mit schwindelerregender Akrobatik, muskulösen Frauenkörpern und Martial-Arts-Kampfszenen – popkulturelle Referenzen und ein Faible für Trash kommen dabei nicht zu kurz. Ihre Performances haben Kultstatus, sie geht an die Grenzen – des guten Geschmacks und ihres eigenen Körpers. Im Zentrum von Holzingers Arbeit steht der weibliche Körper, den sie als Experimentierfeld begreift, mit dem man alles machen kann.

In ihrer neuen Arbeit ›TANZ‹ befasst sie sich mit der Disziplinierung des Körpers durch das Ballett. Dazu bedient sie sich eines Ensembles von elf starken Frauen zwischen 20 und 80 Jahren, die weitgehend splitternackt agieren und aus ganz unterschiedlichen Bereichen kommen: Tanz, Ballett, aber auch Theater und Zirkus. Protagonistin ist die 80-jährige Beatrice Cordua, die lange John Neumeiers Primaballerina war und weltweite Berühmtheit erlangte, als sie 1972 erstmalig ›Le sacre du printemps‹ nackt tanzte. In ›TANZ‹ studiert Cordua mit einer Ballettklasse ›La Sylphide‹ ein – ein Ballettstück von 1832 mit schwebenden Luftgeistern und Feenwesen (Sylphiden), das als Geburtsstunde von Tutu und Spitzentanz gilt und bis heute das Image von Ballett prägt. Doch Holzinger blickt aus heutiger, feministischer Perspektive auf das Thema, holt die verklärte Welt des romantischen Balletts radikal, tabulos und schockierend ins 21. Jahrhundert und macht daraus einen wahren Höllenritt. In einem opernhaften Setting zwischen Märchenwald und Hexensabbat entstehen brutale Parodien auf Bilder, wie man sie aus Ballett, Komödien und Pornografie kennt – inklusive spektakulärer Einlagen wie Stunts auf hängenden Motorrädern.

›TANZ‹ ist eines der meistprämierten Stücke im deutschsprachigen Raum 2020: Es wurde u. a. zum Theatertreffen eingeladen, in der Kritikerumfrage von ›Theater heute‹ zur Inszenierung des Jahres gekürt und war für den deutschen Theaterpreis ›Der Faust‹ nominiert. Zudem erhielt Holzinger den Nestroypreis für die beste Regie.

Florentina Holzinger (*1986 in Wien) hat Choreografie an der School for New Dance Development (SNDO) in Amsterdam studiert. Gemeinsame Arbeiten mit Vincent Riebeek wie ›Kein Applaus für Scheiße‹ (2011), ›Spirit‹ (2012) oder ›Wellness‹ (2012) brachten ihr den Ruf als ›provokanteste Nachwuchschoreografin‹ ein. Ihre Arbeiten werden auf zahlreichen Festivals und in Produktionshäusern im In- und Ausland gezeigt. Holzinger lebt in Wien und Amsterdam und wird ab der Spielzeit 2021/22 im Team von René Pollesch an der Berliner Volksbühne arbeiten.

»In der Wut liegt die Kraft liegt die Liebe: Wer einen Abend von Florentina Holzinger sieht, spürt die Zukunft.» (SZ-Magazin)

»Die österreichische Performancekünstlerin und Choreografin beherrscht die Kunst, Sachen, die Menschen normalerweise nicht sehen wollen, so auf die Bühne zu bringen, dass man trotzdem gerne hinschaut.« (Der Falter)

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