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Woyzeck Interrupted

Das Opfer. Der Täter. Der Ausgeschlossene. So kennt man den Protagonisten aus den unzähligen Inszenierungen. Die Anzahl der Gewalttaten von Männern an Frauen hat sich in den bald zweihundert Jahren kaum verändert. Femizide sind in der Ralität leider keine Rarität, keine Einzelfällen, sondern ein ganzes Muster. Mahin Sadri und Amir Reza Koohestani schlagen einen neuen Weg ein: das Konstrukt zu brechen. ASK HELMUT

Arno Declair
Arno Declair

29.05.2021 00:00 Uhr
Deutsches Theater Berlin, Berlin

Stream auf dringeblieben.de Mit englischen Untertiteln Woyzeck Interrupted nach Georg Büchner von Mahin Sadri und Amir Reza Koohestani Regie: Amir Reza Koohestani Zwei Dinge weiß man über Woyzeck, die Titelfigur des Fragments von Georg Büchner: Er stand ganz unten in der Gesellschaft. Und er ermordete Marie, seine Geliebte. Woyzeck ist unzählige Male inszeniert worden und hat seinen Protagonisten als Prototyp eines Opfer-Täters etabliert. Büchner lenkt den Blick auf ein strukturelles Moment und zeigt, wie Unterdrückung ihrerseits Gewalt hervorbringt. Doch der Fokus auf Woyzecks Schicksal verstellt: Büchners Stück ließe sich auch in dem Sinn erzählen, dass es die patriarchale Gewalt in Geschlechterverhältnissen fortschreibt. Alle drei Tage stirbt heutzutage in Deutschland eine Frau durch ihren Partner oder Ex-Partner. Das ist der Punkt, an dem die Dramatikerin Mahin Sadri und der Regisseur Amir Reza Koohestani mit ihrer Weitererzählung ansetzen. Sie beginnt mit einer Unterbrechung. Ein Schauspielerpaar – er Woyzeck, sie Marie – sitzt zuhause fest, die weiteren Proben zu Büchners Woyzeck sind auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. Ihre unterschiedlichen Haltungen zu den Figuren entwickeln sich zum Konflikt im Privaten. Der Stau der Aggressionen wächst in der Enge der gemeinsamen Hochhauswohnung, bis es zum Ausbruch kommt. Ist es möglich, den Teufelskreis von Unterdrückung und Gewalt zu unterbrechen?


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Deutsches Theater Berlin

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