Default image

artspringnale SIGNALE 2021

Der Stadtbezirk wird zur Galerie ASK HELMUT

Default image

07.05.2021 12:00 Uhr
Artspring

artspringnale SIGNALE 2021 Die artspringnale – das Filmprogramm von artspring berlin – zeigt alljährlich die unterschiedlichen künstlerischen Positionen der Film und Videoschaffenden des Bezirks und stellt sie zur Diskussion. Wie artspring berlin lebt auch die artspringnale von der Begegnung, dem gemeinsamen Erlebnis und dem Austausch. 2021 aber ist alles anders und artspring berlin steht unter dem Thema SIGNALE! Was hören und was sehen wir? Was senden wir? Diese Fragen richten sich insbesondere auch an die Film- und Videokunstszene, denn seit März letzten Jahres steht sie unter Druck. Einnahmen bleiben aus, Förderungen fehlen, Produktionen stehen – mehr oder weniger – still. Freiräume verschwinden, die persönliche Begegnung ist reduziert, Frustration und Depression nehmen zu, als gesellschaftliches Phänomen, aber auch ganz individuell. Wie macht man weiter und was macht das mit der Filmkunst? Beeinflusst die Erfahrung der Fragilität die Inhalte und Formen? Welche Signale gehen von ihr aus? Wenn die Empfänger physisch nicht präsent sind, werden die Signale dann radikaler? Politischer? Essenzieller? Oder verlagert sich die Arbeit ins Private, in den eigenen Resonanzraum und versendet sich im Äther? Ist der Empfang unterbrochen und müssten wir nicht eigentlich von Störsignalen sprechen? Wäre das nicht sogar noch zukunftsweisender? Wir wussten es nicht und riefen mit einem Open Call auf zur Einsendung der (Stör)Signale. Die Einreichungen und die daraus kuratierten Programme offenbaren eine vielfältige Bandbreite an Antworten, werfen aber auch neue Fragen auf. Um diesen Fragen nachzugehen und Antworten für die Zukunft festzuhalten, werden die Screenings durch anschließende Live-Talks mit den Filmschaffenden begleitet. Denn eines ist sicher: Es wird ein danach geben und wollen wir es produktiv gestalten, dürfen wir das hier und jetzt nicht nur ertragen und vorübergehen lassen, sondern müssen es als Ausgangspunkt für neue Ansätze betrachten. Der künstlerische Umgang und Ausdruck von Veränderungen, Brüchen und gesellschaftlichen Herausforderungen ist gleichzeitig kein neues Thema für den Großbezirk Pankow. Vom surrealen, düsteren und scheinbar ausweglosen Psychogramm des »Cabinet des Dr. Caligari« (1920), über die desillusionierte und scheinbar handlungsunfähige Jugend in »Berlin – Ecke Schönhauser…« (1957), das in Grenzen hart erkämpfte Bedürfnis nach weiblicher Individualität der »Solo Sunny« (1980) bis hin zu den ungefilterten Bildern des ‚Sommers der Anarchie‘ zwischen zwei Gesellschaften in »Berlin–Prenzlauer Berg. Begegnungen zwischen dem 1. Mai und dem 1. Juli 1990« (1990) und dem stillen und sozial kälter werdenden Alltag in »Sommer vorm Balkon« (2006) – der Bezirk war und ist Seismograph für den Beginn neuer Gesellschaften. Ganz zu schweigen von den unzähligen verbotenen und unveröffentlichten, quasi fürs Archiv produzierten filmischen Werken. So spannt sich im Programm der artspringnale mit insgesamt vier Screenings ein Bogen von der jüngeren Vergangenheit des Bezirks bis in die Gegenwart und verschränkt die unterschiedlichen Zeiten miteinander. Der Auftakt am 7. Mai widmet sich der Kunst im Untergrund des Prenzlauer Berg von 1976 bis zur Wiedervereinigung 1990. Dieser Blick in die Vergangenheit versteht sich jedoch nicht allein retrospektiv, sondern bietet auch Anknüpfungspunkte für Fragen und Themen der Gegenwart. Nicht zuletzt kann hier auch die Frage nach der Systemrelevanz von Kunst und Kultur verortet werden. Das Screening am 14. Mai ist vor allem durch dokumentarischen Charakter geprägt und zeigt Lebenslinien im Laufe der Zeit. Der Fokus liegt auf weiblichen Perspektiven, dem Thema Arbeit und gesellschaftlicher Teilhabe. Das folgende Screening am 21. Mai versammelt kurze und mittellange Filme, die entweder im Kontext der Pandemie und des Lockdowns entstanden sind oder in diesem Kontext neue Perspektiven herstellen. Von grundlegenden Fragen zu Glück und Zufriedenheit, über die künstlerische Arbeit im Home-Office bis hin zu Verlust, sich auflösenden Bildern und gefühlter Leere – die Fragilität der Zeit steht im Zentrum. Das letzte und finale Screening am 28. Mai schließt direkt an das vorhergehende an und wirft ausgehend von der aktuellen Situation den Blick in eine dystopische aber (hoffentlich) nicht ganz verlorene Zukunft. Gleichzeitig knüpft der letzte Film auch wieder an die eingangs erwähnte und die Gegenwart prägende Frage an: die nach der Systemrelevanz von Kunst und Kultur.


0 haben sich das gemerkt

Artspring

Mehr an diesem Tag