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artspring artwalk – Der Stadtbezirk wird Galerie

Kunst ASK HELMUT

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07.05.2021 12:00 Uhr
Artspring

artspring artwalk – Der Stadtbezirk wird Galerie Wir haben es seit Jahren behauptet: Dass der Stadtbezirk eine Galerie werden würde, im übertragenen Sinne, weil seit 2017 während des artspring überall Kunst zu besichtigen, zu erleben, zu erfragen und auch zu erwerben ist, wenn sich die Türen zu den Produktionsstätten der Künstler:innen alljährlich im Mai und Juni öffnen. Und nun ist es buchstäblich soweit: Der artspring artwalk möchte Kunst im Flanieren erlebbar machen. Es ist natürlich ein Dialog mit einer Lücke in Coronazeiten: In den Geschäften und Fenstern der Einkaufsstraßen ist es leer und ruhig geworden. Vieles ist unbespielt, nicht wenige Fensterfronten sind mittlerweile gar ganz leer. Gleichzeitig ist das „Draußen-sein“ die einzig derzeit wirklich mögliche Form jeglicher Veranstaltung. Dem folgt auch die Idee der „Initiative Draussenstadt“ mit der Berlin in der kommenden Jahreszeit zahlreiche Kulturveranstaltungen auf die Straße bringen möchte. Mit dem von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa initiierten Programm soll die kurzfristige Umsetzung von Konzepten für „publikumswirksame Kulturveranstaltungen“ ermöglicht werden. Im Erläuterungstext steht dort das Wort „genehmigungsfähig“, der Buschfunk meldet, dass der städtische Kulturwunsch mit der städtischen Verwaltung nicht so leicht in Einklang zu bringen ist, buchstäblich, Mittagsruhe und Grünanlagenpflege sind durch viele Paragraphen geschützt. Nun, Kunst ansehen ist in der Regel nicht so laut, dass es nicht in der Mittagspause stattfinden könnte. Und eine passende Grünanlage hat artspring ebenfalls gefunden oder vielmehr sie uns – Bornholm Zwei. Der artspring artwalk ist ein Projekt, das in Kooperation mit dem Pankower Kulturamt aus der Taufe gehoben wurde, das Schaufensterflächen im Prenzlauer Berg bespielt und bis in die Kleingartenanlagen an der Bornholmer Straße hinaufreichen wird. Das diesjährige artspring Kunstfestival nimmt zum Anlass, die Sichtbarkeit von Kunst auch im Stadtraum zu stärken, insbesondere über die Präsenz einzelner Künstler:innen in Schaufenstern verschiedenster Art und so die Kunst zu einem festen Bestandteil des täglichen Erlebens zu machen. Mit dem KORN Kunstraum in der Greifswalder Straße ist der Anfang längst gemacht, und seit vielen Jahren können Interessierte im Pavillon am Milchhof sowie im super bien! Gewächshaus im Hof der Ateliergemeinschaft Milchhof rund um die Uhr erleben. Auch während des artspring. Dazwischen wird sich nun ein Parcours aufspannen: In Schaufenstern entlang der Schönhauser Allee, in den Hallen der Schönhauser Allee Arcaden, an den Außenflächen des historischen, aber leider wohl verlorenen Kinobaus des Colosseums und in den Parzellen der Kleingartenanlage an der S-Bahn. Letztere sind alles keine klassischen Kunstorte. Aber das hieß es auch schon, als wir 2019 erstmals den Pop-up-Store in den Arcaden stattfinden ließen. Zwischen Supermarkt und Fitnessstudio, Koffergeschäft und Drogerie, hat Kunst da etwas verloren? Wir finden: Kunst kann sich gar nicht weit genug verbreiten. Natürlich bietet ein White Cube ideale Laborbedingungen für das Sezieren der zeitgenössischen Ansage. Und auch, wenn das eine gute Möglichkeit ist, so ist es nicht die einzige. Zeichnungen, gesetzt in die Film-Ankündigungs-Kästen des Kinos, stehen in ihrer ursprünglichen Introvertiertheit nun in einem deutlichen Kontrast zur abgenutzten Werbetechnik um sie herum, und das schafft neue Querverbindungen. Leinwände mit verwirrenden Architekturen in mediterranen Farben in den Gängen der Mall kommentieren die Architektur um sie herum ebenso wie vice versa. Das ist die Kunst der Platzierung, die jeden Ausstellungsaufbau, jedes Kuratieren von Ausstellungen begleitet: Das gemeinsame Ausstellen hat den Mehrwert der Kommunikation, der Werke untereinander und mit den Besuchern, aber auch der Orte und Umgebungen, der Geschichten und der gegenwärtigen Ereignisse. (Das Gegenteil haben wir ja auch zu bieten: Im Rahmen der geöffneten Ateliers Anfang Juni lässt sich jedes Kunstwerk zu seinen intimen Ursprüngen zurück verfolgen). Nun gerät die Kunst also in den Alltag, auf die Straße, und ins Wochenende, nämlich in die Gärten. In Kombination mit der Thematik, dass der künstlerische Beruf in seiner Nische der Exzentrik und Exklusivität wenig gut gedeiht und durchaus einen Aufschwung erleben sollte, ist Kontakt zur allgemeinen Umwelt bestimmt eine gute Idee. Der artwalk wird flexibel gestaltet und ist über QR-Codes zugänglich. Es kann passieren, dass er noch wächst, auch das hat er mit den Gärten gemeinsam. Alle, die seinen Spuren folgen möchten, können dies mit ihrem Smartphone tun und werden dabei auch noch die nicht visuellen audio-Erlebnisse finden können. Wer sich dabei begleiten lassen möchte, dem bieten wir an, sich einer geführten Tour anzuschließen. Alle Termine und weiteren wichtigen Informationen finden Sie auf unserer Webseite www.artspring.berlin/artwalk


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