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Непский проспект Nepski-Prospekt

Schauspiel, Schauspiel

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Anna Heesen

Mi 23.09.2020 19:30
Deutsches Theater, Berlin

"Die Erfindung des Films kam zu spät. Er ist zu einem Zeitpunkt entstanden, als nichts mehr los war. (nach Harun Farocki)

Also die beiden Jungs waren die ersten, die das konnten... Die beiden Jungs aus Berlin waren die ersten, die das konnten. Dieses ganze Netzwerk aufzubauen. Nepski-Prospekt ist ein alter russischer Name für Charlottengrad, für den Kudamm, als hier 350.000 Russen waren. Und ich dachte, das ist ein guter Name für das, was ich zunächst und dann auch darüber hinaus vorfand, als ich bei einer, wie ich zuerst vermutete, riesigen Werbefilmproduktion als Best Boy engagiert war. Ich hatte so ein Callsheet bekommen, da standen ca. 40 Personen drauf und als ich in diese WG am Kudamm kam, waren da nur zwei Jungs. Mit iPhones. Und später kamen noch zwei Models dazu, die hier wohnten. Also das ganze war wirklich ein affenartig teurer Dreh, aber man hat nichts gesehn. Die Kameras sorgten einfach dafür, dass niemand mehr da war. Der Regisseur hat in Südafrika gesessen und die Ausstatterin in London und die ganzen 40 Leute waren überall auf der ganzen Welt. Und alle hatten exakt das Bild vor sich, das da aufgenommen wurde. Und dann hatten sie ne Boombox unter dem Sofa der Models aufgebaut, damit sie den Regisseur in Südafrika hören konnten. Und diese vier Leute haben diesen, weiß ich nicht, diesen affenartig teuren Dreh durchgeführt, bezahlt von der FIFA und von EA Sports.
Und ich hab die gefragt wie das geht – und der eine Junge, der hat nur so (Fickzeichen) gemacht, und sagte: Wir wissen seit vier Tagen wie das funktioniert und jetzt soll ich dir beim Aufbauen noch erklären wies geht?!

Die erste Kamera in der Geschichte des Films war ja auf eine Fabrik gerichtet. Aber die über 100 Jahre danach kann man sagen, dass die Fabrik den Film kaum angezogen hat. Sogar eher abgestoßen. Die Fabrik ist ja auch völlig undramatisch. Außer bei Arbeitskämpfen. In den Fabriken selbst gab’s ja kaum was zu sehen. Eher wurden die Werkstore gezeigt, und wie die Leute rein- und rausgingen. Ja vielleicht kann man sogar sagen, dass, als der Film entstand, es in der Welt kaum mehr was zu sehen gab. Es fand alles hinter verschlossenen Türen statt. Der Film und die Filmgeschichte kamen einfach zu spät, also zu einem Zeitpunkt, als es nichts mehr zu sehen gab.
Und jetzt mit diesem Startup ist deshalb drinnen nichts mehr los, weil die Kameras die ganze Arbeit übernehmen. Die sehen und sprechen und hören, aber kaum einer macht noch was, was dem Wort Action entspricht."


Quelle: Berlin Bühnen

Deutsches Theater

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