FOTO: © Camille Blake

timeless 10 — Corvo Festival

TAGESTIPP Helmuts-List-Berlin

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Berliner Klangkunstlabels Corvo Records legt das diesjährige Festival die Schwerpunkte auf die Stimmforschung, grafische Notation und Re-Interpretation. Am Tag eins gibt's für euch eine Deutschlandpremiere des preisgekrönten Schweizer Filmemacher Maria Iorio & Raphaël Cuomo über feministische Protestlieder - Spannend!

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Festival Tag 1 Die preisgekrönten Schweizer Filmemacher Maria Iorio & Raphaël Cuomo beschäftigen sich seit vielen Jahren in ihrem Werk mit Migrationsthemen, sowohl des Mittelmeerraums als auch in Zentraleuropa, insbesondere Italien, Deutschland und der Schweiz. Ihr aktueller Film, Undead Voices (2019) welcher auf dem Festival erstmals gezeigt wird, setzt sich mit feministischen Protestliedern der 1970er Jahre in Italien, und deren Verschwinden beziehungsweise Zerfall in den nationalen Archiven auseinander. Die beiden Künstler_Innen verwenden Super8 Original-Filmfragmente und nähern sich dem Archiv weniger als Quelle denn als Subjekt. Undead Voices thematisiert die Rolle, die Archive bei der Aufarbeitung der Vergangenheit spielen, die Hierarchisierung der Inhalte und daher die Subjektivität von Geschichtsschreibung. Dieses Projekt hinterfragt die Marginalisierung und den Verlust eines Teils des materiellen Gedächtnisses der sozialen Protestbewegungen der 1970er Jahre in Italien. Die Videoproduktion erfindet eine Form, die verschiedene Register und Generationen von Klang und Bildern kombiniert, wobei Musik (DJ Fred Hystère), Erzählung und Gesang (Alessandra Eramo) eng miteinander verbunden werden, jedoch die Hierarchie zwischen Semantik und Gesang aufgehoben wird. Im Anschluss an den Film findet ein, von Dr. Cornelia Lund (fluctuating images, Berlin) moderiertes Künstlergespräch mit Maria Iorio, Raphaël Cuomo und Alessandra Eramo statt. Für Blind Score Postcards, einer audiovisuellen Uraufführung von Kompositionen und deren grafischer Notation werden internationale Künstler_Innen aus dem Umfeld von Corvo Records beauftragt, eine grafische Notation anzufertigen. Diese Partituren werden dann an eine andere Künstler_In geschickt, welche_r den Auftrag bekommt diese musikalisch zu interpretiert. Es werden auf dem timeless 10 - Corvo Festival also acht Kompositionen und deren Interpretationen gezeigt. Für die Beteiligten wird dies das erste Mal sein, dass sie ihre eigene Postkarte klanglich umgesetzt hören. Alessandra Eramo: Tanz Sediment. Das, 2019 vom Deutschlandfunk Kultur in Auftrag gegebene Vokalwerk dreht sich thematisch um Heilrituale und die weibliche Stimme ausgehend vom Tarantismus. Dieser ist ein, im süditalienischen Apulien bis in die 1960er Jahre betriebenes performatives Heilritual, um den im Volksglauben verwurzelten Biss der Wolfspinne als Ursache für psychisch-körperliche Auffälligkeiten, insbesondere Hysterie bei Frauen, mittels Musik und Tanz zu heilen. Auf dem Festival wird die performative Version (Solostimme, Elektronik, Field Recordings) des Radiostücks gezeigt. Festival Tag 2 Der Klangkünstler Gilles Aubry eröffnet den zweiten Festivalabend mit Stonesound, einem mit dem Künstler Abdeljalil Saouli in Marokko als Sound Manifest produziertes Video in Verbindung mit der Klangperformance It's not a hit, it's a demand für Live-Elektronik. Seine Arbeit beschäftigt sich mit Klang, Hören, Sichtbarkeit, Technologien und Umweltstimmen und setzt diese kritisch in Bezug zu Machtgefügen in verschiedenen Kontexten. Aubrys Recherchearbeit führte ihn viele Male in den Norden des afrikanischen Kontinents, wo er unter Anderem Field Recordings von Soundchecks lokaler Musiker, seismische Erschütterungen und, von der Saharasonne zerschmolzene Schallplatten als Klangmaterial einsetzt. Der Wiener Turntablist dieb13 (Dieter Kovacic) erhält vom Festival den Auftrag, aus dem gesamten Labelkatalog auf Vinyl und dem Labelarchiv eine elektroakustische Komposition anzufertigen. Durch die stilistische Bandbreite und Instrumentierung des Katalogs (Präpariertes Klavier, Klangpoesie, Field Recordings, Synthesizer, mikrotonale Tuba, Feedback, Klingeltöne...) entsteht ein vielschichtiges Werk, welches inhaltlich und formal mit dem Hauptmedium auf Corvo Records, dem Vinyl arbeitet. Das darauf folgende Konzert des Duos Elena Kakaliagou/Ingrid Schmoliner mit der außergewöhnlichen Besetzung Horn und präpariertes Klavier sowie Gesang interpretiert griechische und österreichische Volkslieder neu und versetzt sie vom traditionellen in einen zeitgenössischen Kontext. Wie Migration Kulturen vermischen, hinterfragen die beiden Musiker_Innen Zugehörigkeit, ohne Tradition und Heimat zu leugnen. Sie setzen spirituelle Gemeinsamkeiten an Stelle von konstruierten nationalen Identitäten. Alle Informationen zum Festival und zum Ticketkauf: https://corvorecords.de/ "timeless 10" wird im Rahmen des Monats der zeitgenössischen Musik 2020 präsentiert. Alle Informationen zum Programm: https://www.field-notes.berlin/mdzm https://www.facebook.com/initiative.berlin

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