FOTO: © Peter Cusack

New Empathies: Vogelsang

TAGESTIPP Theater Ah_Music

Im Rahmen der Online-Programmreihe zur Praxis des Empathischen, war der Künstler Peter Cusack auf der Suche nach der Klangfarbe eines verlassenen Ortes. Über fünf Jahre sammelte er großartige Eindrücke des sowjetischen Militärkontrollpunkt im Norden von Berlin und gibt uns nun diese in einer Kombination aus Geschichten, Klängen und Bilder digital preis. Beeindruckend!

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Searching for sound, distracted by colour…Wie klingt ein verlassener Ort? Über fünf Jahre hinweg hat der Klangkünstler Peter Cusack den ehemaligen sowjetischen Militärstützpunkt Vogelsang im Norden von Berlin besucht und mit Tonaufnahmen und Fotografien die Veränderungen eines Ortes dokumentiert, der vor fast 30 Jahren verlassen wurde und seitdem immer mehr zur Ruine verfällt. In einer Lecture Performance im Rahmen der Online-Reihe „New Empathies – Far from a distance“ im radialsystem stellt er sein dort gesammeltes Material als eine Kombination aus Geschichten, Klängen und Bildern vor. Über den Zugang des Hörens macht er so auf die Vielschichtigkeit von Transformationsprozessen aufmerksam, die auf eine Krise folgen… Wie hat sich unsere Lebensrealität in der Krise verändert, können wir diese Veränderung hören?

60 km nördlich von Berlin in einem Wald gelegen, beherbergte Vogelsang auf dem Höhepunkt seiner Zeit nicht nur Atomwaffen, sondern mit den dort stationierten sowjetischen Armeeangehörigen und ihren Familien auch mehr als fünfzehntausend Menschen. Einst eine blühende Stadt mit Cafés, Schulen, Sporthallen und Kinos wurde dieser Ort 1994 vom Militär aufgegeben und seitdem dem Verfall überlassen. Heute ist das Gebiet ein Naturreservat, aber die Ruinen sind geblieben. Einige Gebäude wurden abgerissen, andere verfallen, manche kann man heute noch fast im Originalzustand besichtigen. Es ist ein kraftvoller, stimmungsgeladener Ort, der sich ständig weiterentwickelt. Geister der Vergangenheit verstricken sich mit möglichen Zukünften. Langsam kehrt die Natur an diesen verlassenen Ort zurück: Eulen, Kraniche, Rehe und Spechte sind hier zu Hause, Wölfe sind vor kurzem zurückgekehrt, Kleintiere, Pilze, Moose, Bäume, Winde und Wasser sind beständig am Werk. Zugleich zieht er eine bizarre Auswahl von Menschen an: Vogelbeobachter*innen, Fotograf*innen, Drogenabhängige, Spieler*innen von GPS-Spielen und US-Soldat*innen, die auf der Suche nach Erinnerungsstücken aus dem Kalten Krieg sind… sie alle hinterlassen ihre Spuren und Geschichten.

New Empathies – Far from a Distance

Mit „New Empathies“ startete das radialsystem im Juni 2019 eine Programmreihe, die sich über zwei Jahre hinweg in Konzerten, Installationen, choreografischen Arbeiten, Workshops und Gesprächen den Möglichkeiten einer Praxis des Empathischen nähert und deren Potenziale in Bezug auf künstlerische, technologische, politische und ökologische Fragestellungen beleuchtet.

Das vierte „New Empathies“-Wochenende Anfang Mai 2020, in dem wir uns erneut mit den Möglichkeiten des (Ein-)Fühlens auseinandersetzen wollten, konnte aufgrund der aktuellen Situation nicht wie geplant stattfinden – und die Frage danach, wie wir trotz Mindestabstand und Kontaktverbot untereinander Resonanz erzeugen können als Basis für Gemeinschaft, Solidarität und gesellschaftliches Bewusstsein, ist schlagartig zu einer spürbaren Herausforderung geworden.

Ende April starteten wir daher unsere neue Online-Reihe „New Empathies - Far from a distance“, in deren Rahmen wir über mehrere Wochen hinweg die Möglichkeiten und Grenzen virtueller Räume als Orte der Empathie ausloten, verschieben und reflektieren sowie Zeiträume zu Begegnungen und gemeinsamen ästhetischen Erfahrung entstehen lassen.

Der Klangkünstler, Musiker und Field Recordist Peter Cusack beschäftigt sich mit den Klängen seiner Umgebung und nimmt diese vor Ort auf. Im Jahr 1998 initiierte er das "Favourite Sounds Project", um herauszufinden, wie Menschen mit den Klanglandschaften der Orte, an denen sie leben, interagieren. Ausgehend von London reiste das Projekt in andere Weltstädte wie Peking, Prag, Manchester, Hull und Berlin. Sein Projekt "Sounds from Dangerous Places" untersucht die Klanglandschaften von Orten mit großen Umweltschäden wie den kaspischen Ölfeldern, der Sperrzone von Tschernobyl und dem Aralsee in Zentralasien und stellt die Frage: "Was kann man über gefährliche Orte lernen, wenn man ihren Geräuschen lauscht?“.

Mehr Informationen:
https://radialsystem.de/new-empathies-vogelsang/

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