Blurred berlin philharmonie

Robin Ticciati

Musik

Cropped berlin philharmonie

Mi 27.05.2020 20:00
Berliner Philharmonie & Kammermusiksaal, Berlin

ROBIN TICCIATI

Vilde Frang Violine
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Andrew Norman
›Level 1‹ aus ›Play‹

Antonín Dvořák
Auszüge aus den Slawischen Tänzen op. 46 und op. 72

Edward Elgar
Violinkonzert h-Moll

Zum Konzert
Mit Andrew Norman kommt einer der jüngeren und zugleich gefragtesten Vertreter von US-Komponisten zu Gehör, die Robin Ticciati und das DSO mit ihrem »Horizont Amerika« in dieser Spielzeit schwerpunktmäßig beleuchten. Dessen symphonisches ›Play‹ bewegt sich auf drei »Level«, so die Satztitel, die zusammen oder für sich allein gespielt werden können. ›Play‹ reflektiert dabei nicht nur das Spielerische, sondern, ganz im theatralischen Wortsinn, auch die Beziehungen, Abhängigkeiten und Kommunikation der Instrumente und der Personen hinter ihnen.

Antonín Dvořák befand sich Ende der 1870er-Jahre in einem wahren Rausch. Gerade erst hatte sich ihm Brahms als langjähriger Enthusiast seiner Werke zu erkennen gegeben und ihn an den Verleger Fritz Simrock vermittelt. Dieser wandte sich mit der Bitte um »böhmische und mährische Tänze« an den Komponisten, »und zwar von Verwendung Ihnen passend dünkender national Originalmelodien, durchflossen von ihrer eigenen Erfindung und damit verknüpft«. Die Tänze waren schnell geschrieben und brachten ihm den langersehnten Ruhm. Ein zweites Heft mit weiteren, mehr elegischen Tänzen sollte folgen. Brahmsʼ ›Ungarische‹ dienten ihm in der Tat als Modell, doch eher in formaler Hinsicht. In der kompositorischen Konzeption ging Dvořák ganz eigene Wege, indem er keine Vorlagen bearbeitete, sondern die Charakteristika von Furiant, Dumka und Co. in seine Musiksprache einfließen ließ.

Dreißig Jahre nach den ersten ›Slawischen Tänzen‹ arbeitete ein Komponist an seinem einzigen Violinkonzert, der für die Musik seiner Heimat England eine vergleichbare Bedeutung hatte wie Dvořák für die seine: Edward Elgar. In den symphonischen Dimensionen dieses Werks steht er einer Linie nah, die mit den Solokonzerten von Beethoven ihren Anfang nahm und über Brahms zu Dvořák führte. So ist das Konzert sinnlich schön und romantisch schwer beladen. Doch Elgar geht über die Tradition hinaus und bereichert es mit konzeptionell originellen Ideen, etwa der einzigartigen »Cadenza accompagnata« ganz am Ende des Werks. An den Solisten stellt Elgar, selbst von Haus aus Geiger, die größten Anforderungen – Vilde Frang, die das DSO bei ihrer Herbsttournee 2018 mit Beethovens Violinkonzert begleitete, wird sich dieser Herausforderung stellen.