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John Wilson

Music

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DSO

Thu 30.04.2020 20:00
Berliner Philharmonie & Kammermusiksaal, Berlin

JOHN WILSON

Erin Wall Sopran
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin

Ludwig van Beethoven
›Die Wut über den verlorenen Groschen‹, bearbeitet für Orchester von Erwin Schulhoff

Richard Strauss
›Vier letzte Lieder‹

Erich Wolfgang Korngold
Symphonie Fis-Dur

Humor ist ein Attribut, das der gewichtigen Musik Beethovens eher selten zugestanden wird. John Wilson, dem Berliner Publikum durch seine Leitung der Sylvester- und Neujahrskonzerte 2017 | 2018 bestens vertraut, zeigt zu Beginn seines Programms eine andere, gern vergessene Seite des Komponisten auf: mit dessen Rondo und Capriccio ›Die Wut über den verlorenen Groschen‹. 1940 hat Erwin Schulhoff eine wirkungsvolle Orchesterbearbeitung der virtuosen Klavier-Pièce angefertigt, die durch ihre geschickte Instrumentation markante Feinheiten und thematische Beziehungen des Klaviersatzes zu pointieren weiß.

Die orchestrale Bravour erfährt mit den Vier letzten Liedern von Richard Strauss eine ergreifende Entschleunigung. 1948 schuf der 84-jährige Komponist mit den Orchesterliedern nach Gedichten von Joseph von Eichendorff und Hermann Hesse sein musikalisches Vermächtnis. Obwohl dieses Fragment geblieben ist und der vorgreifende Titel nicht aus Straussʼ Feder stammt, geben die Lieder doch den überzeugenden Eindruck eines formvollendeten Schwanengesangs. Dafür wählte der Schöpfer der ›Salome‹ und ›Elektra‹ weder die Revolution noch klangliche Affronts. Strauss zelebriert die Endlichkeit mit der Ästhetik des schönen Tons. Sein Abschied ist zwar wehmütig, aber nicht schmerzhaft oder resignativ, sondern eine versöhnlich-friedvolle Reflexion über das Leben.

Mit seinem Blick zum »Horizont Amerika« und Korngolds Fis-Dur-Symphonie stellt John Wilson dem Beethoven-Schwerpunkt einen weiteren Fokus dieser DSO-Spielzeit gegenüber. Korngold, das einstige Wunderkind, avancierte im amerikanischen Exil zu einem der führenden Filmkomponisten Hollywoods. Seinen Versuchen, nach dem Krieg an die früheren Triumphe in der »ernsten« Musik anzuknüpfen, war hingegen kaum Erfolg beschieden. Auch seine einzige Symphonie musste lange auf ihre Anerkennung warten. Heute wird dieses sein wohl modernstes Werk zu den Höhepunkten seines instrumentalen Schaffens gerechnet. In ihr kommen die Erfahrungen aus dem Exil und der Wiener Tradition, die europäische Geschichte autonomer Musik und die Plastizität seiner stilbildenden amerikanischen Filmmusik zusammen.


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