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Pick

Tara Nome Doyle

Music

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Sonja Stadelmaier

Mon 16.03.2020 20:00
Nachtasyl, Hamburg
15,00 €

Tara Nome Doyle ist eine unzeitgemäße Künstlerin, wie sie jede Gegenwart braucht, aber selten hergibt. Anstatt nebenbei unsicherheitshalber irgendwas mit Medien zu studieren ist für die 22 Sängerin, Komponistin und Pianisten bereits klar: „ich möchte später auf ein Leben mit Musik zurückblicken können. Also bin ich es mir schuldig, das auch zu probieren“. Diese Gewissheit hat sie, seit sie in der Filmbiografie Love & Mercy den alten Brian Wilson, gespielt von John Cusack, als medikamentöses Wrack auch im Alter noch mit großer Würde am Flügel sitzen sah.

Geboren wurde Tara Nome Doyle in Berlin Kreuzberg, ihre Eltern kommen aus Irland und Norwegen und sie spricht (und singt) die Sprachen akzentfrei. Man glaubt den biografischen Hintergrund dieser unterschiedlichen Landschaften in ihrer Kunst wieder zu erkennen: die gespeicherte Hitze und der Nebel aus den irischen Torfmooren, das Magische aus den norwegischen Fabelwäldern.

Die Tempi bewegen sich in der Mitte, die Erde dampft: Ihre Musik kennt keine Beiläufigkeit. Und doch ist da immer diese Stimme, die aus den Wipfeln zu klingen scheint. Von dort, wo die Freiheit lockt. Tara Nome Doyle erlöst diese Spannung nie ganz. Ihre Musik versprüht eine Atmosphäre zwischen Trauer und Freude, Gefahr und Gewinn, von Schwere und Leichtigkeit.

Das Selbstbewusstsein hat Tara Nome Doyle wohl aus Berlin, wenn die Künstlerin einen Vertrag zurückgibt mit dem freundlichen Hinweis, ihn bitte gendergerecht zu verfassen. Sie tritt einem höflich, achtsam und direkt, aber völlig uneitel entgegen. Mit einem Wort: großstädtisch.

Die Musik ist auch ihr Mittel, die Perspektive aus dem Inneren in die Welt zu schwenken. Dort sitzt das Publikum, nach wie vor eine Herausforderung für die Sängerin. Sie sagt mit 16 habe sie das Zimmer nicht mehr verlassen können. „Wer mir half: Kanye West mit seinem Album ‚My Beautiful Dark Twisted Fantasy’! Danach konnte ich wieder auf den Markt, etwas einkaufen.“

Aber wichtiger als die individuelle Geschichte und ihr psychologisches Motiv ist der Vorgang der Überwindung, die Arbeit an diesem Schwenk zum Publikum. Dieser Widerstand bleibt hörbar: nicht als Last, sondern als Lust, diese Grenze zu überschreiten. Und als Freude, sie auch handwerklich überschreiten zu können.

Im Januar erscheint Tara Nome Doyle’s Debutalbum Alchemy. Am 16. März ist sie zu Gast im Nachtasyl um es uns vorzustellen.



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