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Pick

Martin Tingvall

presented by ASK HELMUT

Der Jazzpianist nähert sich gerne auch anderen Genres wie Pop, Rock oder Filmmusik und lässt sich bei seinem Solokonzert Zeit und Raum, um seinen musikalischen Minimalismus noch mehr zu erforschen. ASK HELMUT

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Jenny Kornmacher

Wed 12.02.2020 20:00
Gasteig, Munich

»The Rocket« heißt das neue Album, auf dem der Pianist Martin Tingvall seine Zuhörer mit einem ganz eigenen Genre verzaubert und sie auf eine Reise in neue Sphären mitnimmt. Von raketenartiger Schnelligkeit kann jedoch nicht die Rede sein. Ruhig lässt Tingvall es angehen und diese Ruhe behält er bei. Ein Gegensatz, der scheinbar abwegig wirkt, beim Hören des Albums aber keine Zweifel darüber aufkommen lässt, dass der Titel gut gewählt ist: Die Rakete startet in Zeitlupe in ferne Galaxien.

Tingvalls weitreichende Erfahrung im Komponieren von Filmmusik lässt sofort Bilder entstehen. »Floating« heißt eines der ersten Stücke, ein anderes »No Gravity« – die Kompositionen sind der Inbegriff von Schwerelosigkeit und Leichtigkeit, ohne dabei ins Triviale abzurutschen. Im Titelsong »The Rocket« hört man besonders deutlich, wie sehr Tingvall sich seit seinem letzten Soloalbum musikalisch weiterentwickelt hat. Die traditionelle Verteilung zwischen der rechten und der linken Hand verschwimmt, die linke Hand spielt die Melodie gleichberechtigt zur rechten Hand und vice versa, während die Rakete sich bedächtig und eindrucksvoll durch diese neuen Klangwelten bewegt.

Martin Tingvall, der eigentlich als Jazzpianist gilt, sich aber auch in anderen Genres wie Pop, Rock oder Filmmusik zu Hause fühlt, spielt auf diesem Album einfach klingende, gleichzeitig ergreifend schöne Melodien mit beinahe klassisch anmutenden musikalischen Themen. Auch seine schwedische Herkunft lässt sich nicht verleugnen: Die skandinavische Volksmusik kann man in beinahe jedem Stück heraushören. Auf »The Rocket« lässt Tingvall sich Zeit und Raum, um seinen musikalischen Minimalismus noch mehr als auf seinen bisherigen beiden Solo-Alben zu erforschen. Ganz allein, nur Martin Tingvall und sein Klavier.

(o-tone music Uwe Hager, Gießen)



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