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Die Räuberinnen

nach Friedrich Schiller, Inszenierung: Leonie Böhm

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Judith Buss

Wed 04.12.2019 20:30 + 6 dates
Münchner Kammerspiele, Munich
8,00 € - 41,00 €

In ihrer Inszenierung lädt die Regisseurin Leonie Böhm uns dazu ein, die Karls und Franze in uns zu befreien und mutig soziale Utopien zu entwerfen. Was sie sonst noch in dem Schiller’schen Text liest, hat sie uns per Sprachnachrichten verraten:

„Im Spiel, schrieb Schiller, sei der Mensch wirklich frei, und nach dieser Freiheit sehne er sich. Für die Suche nach Freiheit ist das Theater ein fantastischer Ort. Hier wird gespielt und experimentiert – und das live und gemeinsam. Hier kann ich mir ethische, philosophische und künstlerische Fragen stellen und nach möglichen Antworten suchen. „Die Räuber“ erzählt von den Brüdern Franz und Karl Moor, die unter der fehlenden Anerkennung ihres Vaters leiden. Der Vater ist dabei für mich Vieles: die ultimative Anerkennung, ein internalisierter Kritiker, das Publikum, das ich mitdenke, der Spiegel der Gesellschaft, ein altes Prinzip oder ein vergangener Wertekodex. Wenn keiner da ist, der einen versteht und bedingungslos annimmt, dann ist ein Forschen nach neuen Idealen beschwerlich, wie das Handeln der Brüder zeigt.

Wie kommen wir also wieder ins Spiel? Wie können wir miteinander herausfinden, was uns davon abhält, frei zu leben? Diese Frage stelle ich an den Text. Können wir die Karls und Franze in uns befreien und ihnen Mut machen, etwas zu riskieren zugunsten einer sozialen Utopie? Zugunsten von Regeln, die aus einem Gefühl der Freiheit entstanden sind? Das Theater macht ein lustvolles Suchen danach möglich, weil es in einen sozialen Prozess eingebettet ist und einen nicht sofort auf sich selbst zurückwirft. Theater bietet die Möglichkeit, eine neue Praxis zu etablieren: Sich anerkennend zu betrachten, sich zu verstehen, Gesten der Fürsorglichkeit und des aufrichtigen Umgangs miteinander zu teilen und zu prüfen: Wohin führt das?

Je besser ich mich selbst samt meinen Bedürfnissen und Unsicherheiten kenne, je weniger schambesetzt und selbstkritisch ich auf meinen mich väterlich redigierenden, permanenten Selbstanspruch reagiere, umso offener kann ich werden, umso müheloser kann ich mit der Widersprüchlichkeit meines Denkens und Fühlens umgehen.

Politik, Machtverhältnisse und soziale Rollen zu versprachlichen, sowie Scham, Angst, Urteil und Druck in unserem alltäglichen sozialen Handeln sichtbar zu machen, das ist mein Ideal: Finden wir heraus, wie wir unser Miteinander gestalten und zu einer heterogenen Gang werden können.“


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