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Radical Face

Dass Ben Coopers neue Song-Sammlung „Therapy“ heißt, ist kein Zufall. Über seine Therapie hat er üppige Kompositionen geschrieben – unsicher und doch selbstbewusst. ASK HELMUT

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Thu 14.11.2019 20:00
Ampere, Munich
28,30 €

Für seine Album-Trilogie „The Family Tree“ konnte Ben Cooper, dessen Soloprojekte stets unter dem Namen Radical Face laufen, viel positive Kritik ernten. Heute blickt der Musiker nüchterner auf die Songs zurück. In wöchentlichen Therapiesitzungen kam er zur Erkenntnis, dass die Arbeit an den drei Alben lediglich ein härteres Porträt zu verdecken half. Folgerichtig heißt die neue Song-Sammlung „Therapy“, auf der er Vergangenes loslässt und sich auf die Gegenwart konzentriert. Anstelle von akustischem Folk hat er üppige Kompositionen geschrieben. Unsicher und doch selbstbewusst, zerschlagen und dennoch widerstandsfähig.

”'Hard of Hearing' is about the awkward middle period, that space where you don't feel well at all, but you can outwardly function again. I learned from regular work with a therapist that you usually understand things long before you feel them, and that can create a sense of limbo. That limbo is where this song lives." Auf "Therapy" hat Radical Face von all seinen vergangenen Erzählungen losgelassen. Anstelle einer komplizierten Saga hat er seine Parameter einfach gehalten. Statt seiner unruhigen Vergangenheit konzentriert er sich auf seine vernarbte Gegenwart. Anstelle von akustischen Folk hat er üppige Kompositionen geschrieben. Unsicher und doch selbstbewusst, zerschlagen und dennoch widerstandsfähig, Cooper nimmt Radical Face in eine neue, ergreifende Richtung.

Um sich selbst zu testen und die kompositorischen Grenzen der The Family TreeTrilogie zu verlassen, nahm sich Cooper eine Reihe von Projekten vor. Es gab sein "Missing Film" Instrumentalalbum, ein Score, den er für Filmemacher zur freien Verwendung veröffentlichte, und seine Covers, Vol. 1 EP, in der er nur Songs von Künstlerinnen sang. Zu dieser Herausforderung trug auch sein Umzug nach Kalifornien bei; der Umzug von seinem Studio in Florida zwang ihn, neu zu lernen, wie man in einer Wohnung mit minimalen Equipment aufnimmt.

Wöchentliche Therapiesitzungen halfen ihm zu erkennen, dass das Porträt, das er in The Family Tree erstellt hatte, die harte Wahrheit verdeckt: "Da gibt es wirklich nichts Positives", wie Cooper es ausdrückt. Obwohl er stolz auf seine Arbeit an der Trilogie ist, betrachtet er sie rückblickend anders. "Ich bereue es nicht, aber es war nicht das, was ich dachte. Ich dachte, ich erzähle eine andere Geschichte, verewige das Fremde in etwas Nützliches und nicht nur in Dysfunktionen."

Die Annäherung an das Songwriting aus dieser schmerzhaft erreichten Achtsamkeit hat Cooper für neue Erkenntnisse geöffnet. "Wenn man zurückblickt, ist es, als würde man loslassen. Trauerkonzepte in gewisser Weise", erklärt er.
"Manchmal hat man eine Geschichte, es ist eine Idee, eine Projektion, die man für sich selbst sieht. Manchmal kann man verstehen, dass das nur ein Bild ist, und man nie diesem Bild entspricht. Es ist das Loslassen von dieser Geschichte."

https://www.youtube.com/watch?v=islTD6GQH38


Source: Eventim