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Kleiner Mann - was nun?

Kann man in der Großstadt jemals glücklich werden? Auf der Linken sitzt die Angst vorm Scheitern und auf der Rechten der Schein der großen Liebe. Hans Falladas Roman aus den Drei­ßi­ger­jah­ren als Bühnenadaption von Regisseur Hakan Savaş Mican. Immer noch hochaktuell! ASK HELMUT

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Nils Tammer

Thu 10.10.2019 19:30
Maxim Gorki Theater, Berlin

Alles beginnt wie im Märchen, einem Märchen in düsteren Zeiten. Der Angestellte Johannes Pinneberg verliebt sich in Emma, die Tochter eines Arbeiters. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Er nennt sie »Lämmchen«, sie ihn »Junge«. Lämmchen wird schwanger, sie heiraten, ziehen an den Rand einer kleinen Stadt und versuchen mit seinem schmalen Gehalt durchzukommen. Als Pinneberg seine Arbeit verliert, müssen sie losziehen, wie tausende Andere auch, dorthin, wo es Arbeit gibt und ein selbstbestimmtes Leben möglich ist.

Berlin scheint für die beiden ein Glücksversprechen, denn hier kann sicher jeder durchkommen, wenn er nur fleißig, ehrlich und arbeitsam ist. Pinneberg bekommt eine Stelle als Verkäufer im Warenhaus Mandel, doch die Zeiten werden härter und der Druck auf ihn und sein Lämmchen wächst.
Der »kleine Mann« versucht es bis zur Selbstauflösung, steckt jede Demütigung weg, schluckt, buckelt, will um jeden Preis sich und seine Familie durchbringen, wo es doch längst kein Durchkommen mehr gibt. Der aussichtslose Kampf um den letzten Rest Würde endet, als er auch in Berlin seine Arbeit verliert. Pinneberg, sein Lämmchen und ihr »Murkel« finden sich am Rand der Stadt wieder, weggedrängt, nicht mehr dazu gehörend, vergessen.
Falladas 1932 erschienener Roman beschreibt ein kleinbürgerliches Milieu und eine Zeit des Übergangs, in der sich die kommende Katastrophe bereits ahnen lässt. Die Geschichte eines kleinen und sehr geduldigen Angestellten wird erzählt, der nicht aufzubegehren im Stande ist, dessen Faust in der Tasche bleibt, der durch eine Welt des Schwindels taumelt und sich hilflos an das Einzige, was scheinbar haltbar ist, klammert: Eine Liebe, eine Frau, ein Kind, sein bedrohtes Glück.

Eine Produktion des Maxim Gorki Theaters. Aufführungsrechte: Hakan Savaș Mican / Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin

Premiere: 15. Januar 2016

Hinweis: Çiğdem Teke befindet sich derzeit in Elternzeit. Ihre Rolle wird während dieser Zeit von Svenja Liesau gespielt.

Foto: Esra Rotthoff

Bühnenfotos: Ute Langkafel


Source: Berlin Bühnen

Maxim Gorki Theater

Program

Am Festungsgraben 2, 10117 Berlin

+493020221-115

www.gorki.de


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