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SAUL LEITER. DAVID LYNCH. HELMUT NEWTON NUDES

Sehr viel nackte Haut, die man da grade im c/o Berlin bestaunen kann! Die Ausstellung beschäftigt sich ausschließlich mit dem Aktbild und vereint die Werke von David Lynch, Saul Leiter und Helmut Newton. ASK HELMUT

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© Helmut Newton Estate

Do 18.04.2019 11:00 – 20:00 + 51 Termine
Helmut Newton Stiftung, Berlin

Am 30. November 2018 eröffnet in der Helmut Newton Stiftung die dreiteilige Ausstellung „Saul Leiter. David
Lynch. Helmut Newton: Nudes“. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Berliner Institution, dass eine Ausstellung
ausschließlich dem Genre Akt gewidmet wird.
Saul Leiter hat parallel zu seiner Modefotografie für Harper’s Bazaar und seinen Farbabstraktionen, die seit den späten
1940er- Jahren in den Straßen New Yorks entstanden, auch Akt im Studio inszeniert. Diese stillen und intimen SchwarzWeiß-Aufnahmen,
die Leiter in der eigenen Dunkelkammer entwickelte, blieben zu seinen Lebzeiten gewissermaßen
unter Verschluss; nur wenige Freunde kannten sie. Die weiblichen Modelle waren Freundinnen oder Geliebte des
Künstlers, der sie in seiner New Yorker Wohnung porträtierte.
Nach seinem Tod im Jahr 2013 werden die unterschiedlichen Aspekte seines Werkes von der Direktorin der Saul Leiter
Foundation, Margit Erb, aufgearbeitet, publiziert und teilweise auch neu editiert. So entstand vor kurzem im Steidl-Verlag
eine Publikation zu dieser Aktserie unter dem Titel „In My Room“, in der New Yorker Howard Greenberg Gallery eine
Ausstellung mit einigen ausgewählten Akt-Motiven – und nun in der Helmut Newton Stiftung erstmals überhaupt eine
Präsentation mit über 200 Vintage oder Late Prints, die eine Hälfte gerahmt an der Wand, die andere als Bildschnipsel,
von Leiter selbst fragmentiert, in einer Ausstellungsvitrine. Wir sehen kleinformatige Akt-Porträts einer oder mehrerer
Frauen, die auf Sofas liegen oder im Gegenlicht zur Silhouette werden, die gedankenverloren rauchen, die lächelnd oder
verführerisch für Leiters Kamera posieren; dabei sind nicht alle Modelle nackt. Es sind subtile, sensible, ja geradezu
schüchterne Annäherungen an das Wesen und an den Körper der Frau.
Eine ähnliche Bildstimmung begegnet uns bei den Aktaufnahmen von David Lynch, die ein knappes halbes Jahrhundert
später, vor allem in Lodz und Los Angeles, entstanden sind; die meisten in Schwarz-Weiß, einige wenige in Farbe. Es sind
abstrakte Körperbilder, häufig vollformatige Details, die wir erst auf den zweiten Blick mit einem menschlichen Körper in
Verbindung bringen. Lynch wählte während des Arbeitsprozesses ungewöhnliche Perspektiven und anschließend für die
25 Motive im externen Fotolabor ein großes Bildformat, das die weiblichen Modelle meist überlebensgroß erscheinen
lässt; sie sind erstmals und exklusiv für die Berliner Ausstellung zusammengestellt und vergrößert worden. Auch in
diesem Zusammenhang entstand zunächst eine Publikation, die 2017 unter dem Titel „Nudes“ im Verlag der Pariser
Fondation Cartier veröffentlicht wurde. Lynchs Aktaufnahmen entstehen parallel zu und autonom von seinem filmischen
Werk, in dem gelegentlich ebenfalls sexuelle Anspielungen und Handlungen zu sehen sind. Seine fotografischen „Nudes“,
mal Beobachtung, mal Pose, wirken vergleichbar mysteriös wie seine Filme. Wir scheinen noch in der Bildbetrachtung
das vorsichtige, ja zarte Umkreisen und Untersuchen des weiblichen Körpers mit der Fotokamera zu spüren; solche
Imaginationen sind wohl nur mit dem Medium Fotografie möglich. Die Intimität (oder die Illusion einer Intimität) entsteht
hier durch die Motivik einer extrem nahansichtigen, geradezu taktilen Körperlichkeit, auch wenn wir nur einen nackten
Oberschenkel oder Arm im Bildanschnitt sehen.
Helmut Newton hat mit seiner Aktfotografie in den 1970er-Jahren begonnen, diesseits und jenseits der
Modebildproduktion, und bis zu seinem Lebensende 2004 auch in diesem Genre gearbeitet. Seine Serie „Naked and
Dressed“, die den Übergang vom Mode- zum Aktbild in seinem Werk markiert, und die „Big Nudes“ machten ihn
Anfang der 1980er-Jahre weltberühmt und inspirierten zahlreiche Kollegen und bildende Künstler zu Nachahmungen
oder Neu-Interpretationen. Die jetzige Präsentation vereint etwa 80 solcher Ikonen aus manchen seiner bekannten
Ausstellungen und Projekte wie „Helmut Newton’s Illustrated: Pictures from an Exhibition“, „White Women“, „Sleepless
Nights“, „Big Nudes“, „Sex and Landscapes“, „Work“ oder „Us and Them“ sowie etwa 40 bislang ungezeigte Werke aus
dem Stiftungsarchiv, darunter zahlreiche Original-Polaroids. Helmut Newton schuf ein unvergleichliches Werk voll
subtiler Verführung und zeitloser Eleganz – auch und besonders im Akt-Genre: Darunter finden sich Porträts nackter
Menschen an Swimmingpools, raffinierte Aufnahmen unbekleideter Schaufensterpuppen und andere modebasierte
Aktbilder, halbnackte Modelle mit orthopädischen Stützprothesen oder provokante Inszenierungen sexueller
Obsessionen in weiblicher Besetzung, die in unserer Rezeption vielen Imaginations- und Assoziationsmöglichkeiten Platz
lassen.
Der nackte Körper gehört zur Kunst seit der berühmten Venus von Willendorf, die vor etwa 30.000 Jahren von einem
unbekannten Künstler auf dem Gebiet des heutigen Österreich geschaffen wurde, und auch in der Fotografie, dem
ältesten der neuen Medien, erscheint das Aktbild bereits in der Pionierzeit, also ab 1839. Seitdem hat sich eine ganz
besondere Kombination von Exhibitionismus und Voyeurismus vor den Kameralinsen Tausender von Fotografen
entwickelt, bis hin zur heutigen, schier unendlichen digitalen Distribution visualisierter Entblößungen. Die drei hier
vorgestellten Fotografen gehören hingegen zu den einfühlsamsten und prägendsten Aktfotografen des ausgehenden 20.
Jahrhunderts.
Die aktuelle Ausstellung Between Art & Fashion. Photographs from the Collection of Carla Sozzani / Alice Springs.
Portraits ist noch bis zum 18. November 2018 zu sehen.
Anlässlich der Ausstellung sind die Publikationen „In My Room“ von Saul Leiter (Steidl) und „Nudes“ von David Lynch
(Fondation Cartier) in der Walther-König-Buchhandlung der Helmut Newton Stiftung erhältlich.


Helmut Newton Stiftung

Programm

Jebensstraße 2 , 10623 Berlin

030 318 648 56

www.helmutnewton.com

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