Blurred 11898522 535895276612834 4368590030986352074 n
Tagestipp

Rudolf Thome zu Gast: "Überall Blumen" + "Tagebuch"

Film

Cropped 11898522 535895276612834 4368590030986352074 n

Fr 09.03.2018 19:00

Freitag (9.3.):
19 Uhr: RUDOLF THOME – ÜBERALL BLUMEN (Serpil Turhan, D 2016, 84min, DCP)
21 Uhr: TAGEBUCH (Rudolf Thome, D 1975, 146min, DCP)

Samstag (10.3.):
15 Uhr: MADE IN GERMANY UND USA (Rudolf Thome, D 1974, 141min, DCP)
18 Uhr: VIVRE SA VIE / DIE GESCHICHTE DER NANA S. (Jean-Luc Godard, F 1962, DF, 80 min, 35mm)

Wir freuen uns sehr, dass am 9. und 10. März der deutsche Regisseur Rudolf Thome zu gleich zwei Filmdoppel-Veranstaltungen das LURU-Kino besuchen wird. Dabei habt Ihr die Gelegenheit, zwei seiner selten gezeigten Filme, MADE IN GERMANY UND USA (D 1974) und TAGEBUCH (D 1975), sehen zu können sowie mit ihm unter der Moderation von Tilman Schumacher ins Gespräch zu kommen. Ergänzt werden die beiden Werke Thomes, die so unaufgeregt wie sinnlich die Möglichkeiten und Schwierigkeiten von Liebesbeziehung in einer großstädtischen Lebenswirklichkeit behandeln, um die stets behutsame und dabei selbstreflexive Dokumentation Serpil Turhans RUDOLF THOME – ÜBERALL BLUMEN (D 2016) und Jean-Luc Godards VIVRE SA VIE (F 1962), der Thome in den 1960er-Jahren prägte und auch mit den beiden oben genannten Werken filmästhetische Prinzipien teilt. Letztgenannter zudem auf einer 35mm-Kopie, sodass hier auch ein grundsätzliches Anliegen des LURU-Kinos, das analoge Filmerbe weiterhin zur Vorführung kommen zu lassen, verwirklicht wird.

Während sich Thome in den 1960er-Jahren mit lakonisch vorgetragenen, im Geiste des Hollywood-Genrefilms eines Howard Hawks stehenden „Pulp-Märchen“ einen Namen über die Münchner Filmszene hinaus machte (zur gleichen Zeit waren noch u.a. Max Zihlmann, Klaus Lemke und Rainer Werner Fassbinder in Schwabing zugegen), sind die beiden ersten in Berlin realisierten Filme von anderem Charakter:
„Ich habe in den Filmen vorher versucht, die Leute zu unterhalten. Ich wollte eigentlich, dass sie Spaß haben, dass es ihnen gut, dass sie was kriegen für ihr Eintrittsgeld. (…) Aber dann war ich enttäuscht, (…) weil es nicht geklappt hat. (…) Und ich habe dann gesagt, ich will ab jetzt radikalere Filme machen, persönlichere Filme.“ Produktionstechnische Notwendigkeit geht hier mit filmästhetischer Umorientierung einher: Seine letzte Genre-Variation der frühen Phase „Fremde Stadt“ (D 1972) war ein so schlimmer Kassenflop, dass Thome völlig Pleite ging und München in Richtung Berlin verließ, der Stadt also, der er später noch weitere Porträts, wie den wunderbaren „Berlin Chamissoplatz“ (D 1980) widmen sollte. Was dann unter den finanziell recht widrigen Bedingungen bei MADE IN GERMANY UND USA und TAGEBUCH, die mit ihrer nur losen Drehbüchern und dem Mittel der Improvisation auf grobkörnigem, schwarz-weißen 16mm-Material einen neuen – tatsächlich radikalen – Weg beschritten, herauskam, ist so nuanciert und wirklichkeitsbezogen, wie man es selten erlebt:
„Mit der gleichen Kompromisslosigkeit, mit der Thome zuvor Genre-Geschichten erzählt hat, hält er nun alltägliche Situation auf Zelluloid fest. MADE IN GERMANY UND USA und auch der ein Jahr später entstandene TAGEBUCH fügen Szenen einer Ehe aneinander, aber nicht im überhöhten, exemplarischen Sinn eines Ingmar Bergman. Thome beobachtet einfach, wie seine Paare Schritt für Schritt auseinanderdriften, wie sich ihre Beziehung unter dem Druck der Verhältnisse immer weiter auflösen, bis sich die einstmals Liebenden entweder nur noch als Fremde begegnen oder den Zyklus in neuen Beziehungen und Konstellationen von vorne beginnen. Dass er dabei auch den Geist dieser Jahre eingefangen hat, ist für Thome eher nebensächlich. Ihn interessieren zuallererst die Menschen, ihre Empfindungen und Sehnsüchte, ihre Reaktionen und Rituale. Alles andere ergibt sich dann praktisch von selbst.“ (Sascha Westphal)

TAGEBUCH ist darüber hinaus der einzige Film, in dem Thome selbst eine tragende Rolle übernimmt. In der ins Berlin der 70er-Jahre übertragenen Wahlverwandtschaften-Adaption verkörpert er den Eduard – eben auch mit einer autobiographischen Dimension. Dies sollte nicht die einzige Verfilmung des für Thome „großen ironischen Romans“ bleiben, in dem er seine Art zu erzählen gespiegelt sieht: „Die Haltung, aus der heraus ich eine Geschichte erzähle, ist eine Mischung aus Nähe und Distanz, die ich Ironie nenne.“ Ironisch ist vielleicht auch die Bezugnahme auf Godard im Titel von MADE IN GERMANY UND USA, der sodann auch gleich in der Eröffnungssequenz mit einer Art filmischen Brechung einsetzt, sich dann aber wieder einem schlichteren Erzählmodus bedient. Sowieso ist Thome, zumindest ab den Berlin-Filmen, kein Regisseur der in den Vordergrund tretenden Formen. Es ist der fast dokumentarischer Kern, die inszenatorische Ruhe und das genannte Verhältnis von Nähe und Distanz, was seine Filme so besonders macht.

„Der wichtigste unbekannte deutsche Regisseur“ (Cahiers du Cinéma, 1980)


Quelle: Facebook

Besser ausgehen.

HELMUT zeigt dir das Spannendste aus Konzerten, Ausstellungen, Kino, Tanz und Theater.

Super! Zeig mir mehr!

Diesen und ähnliche Events findest du hier


Luru Kino in der Spinnerei

Programm

Spinnereistr. 7, 04179 Leipzig

03 41 - 8 79 91 65

www.luru-kino.de


Mehr an diesem Tag