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Tagestipp

Ornellea Fieres / he Recurring Frequency of a Fading Moment

Die zweite Ausstellung der Bild- und Audiokünstlerin. Sie verwendet Fotografie- und Filmmaterial aus den 1940er bis 1970er Jahren und fragt damit nach der Bedeutung von Zeit. Spannend! ASK HELMUT

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Fr 09.03.2018 18:00 – 21:00

Ornella Fieres – The Recurring Frequency of a Fading Moment
Opening 9.3.2018, 6–9pm
Duration 10.3.2018 – 14.4.2018

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Schein und Zeit

In ihrer zweiten Ausstellung bei SEXAUER untersucht Ornella Fieres die erkenntnistheoretische Frage nach dem Bild sowie die Bedeutung der Zeit. Sie spürt den Übergängen von analogen zu digitalen Bildern nach und untersucht den Verlust von Information, der bei dem Versuch entsteht, einzelne Momente festzuhalten. Seit Jahren entwickelt sie hierfür Bild- und Audiotechniken. Mit diesen verschränkt sie analoge Medien mit digitalen und verschmelzt dabei unterschiedliche Zeitpunkte der Geschichte.

Für die Ausstellung The Recurring Frequency of a Fading Moment arbeitete Ornella Fieres mit Fotografie- und Filmmaterial aus den 1940er bis 1970er Jahren. In der Serie "The Essence of a Moment / Fourier" (kleine Rahmen mit zwei Bildern) stellt sie neben eine historische Fotografie deren visualisierte Fourier-Transformation. Die Fourier-Transformation ist ein Komprimierungsrechengang, der auch bekannten Datenformaten wie JPG oder MP3 zugrunde liegt. Mittels dieses Algorithmus werden die Frequenzen analysiert und in einem Koordinatensystem sternförmig dargestellt. Ein mathematischer Fingerabdruck des Bildes entsteht. Die nebeneinanderstehenden Bilder verweisen somit auf dasselbe Signifikat, den selben Augen-Blick. Aber nur die Fotografie ist dem visuellen Verständnis des Menschen zugänglich. Das "Sternbild" der Fourier-Transformation hingegen kann nur ein Rechner lesen. Durch diese Nebeneinanderstellung zweier Darstellungsformen werden nicht nur die unterschiedlichen Lesarten von Daten verdeutlicht und visualisiert, es wird vielmehr die viel ältere Frage aufgeworfen, was ein Bild eigentlich sei.

Die Serie "The Essence of a Moment / Inverse Fourier" (große Bilder) ist eine Weiterführung der oben beschriebenen Technik. Bei diesen Bildern löscht Fieres zunächst Daten aus der Fourier-Analyse, danach wird diese in ein Bild rückgerechnet. Der Zerstörungsprozess ist intuitiv und kann von der Künstlerin nur sehr eingeschränkt kontrolliert werden. Die Erzeugung des für den Menschen erkennbaren Bildes überlässt Fieres dann wieder dem Computer. Durch die Zerstörung der Informationen entstehen verzerrte, teils verdunkelte Bilder mit rätselhaften Dopplungen und schemenhaften Umrissen. Mit anderen Worten: Nach der destruktiven Intervention durch die Künstlerin konstruiert der Computer unter Verwendung der restlichen Daten einer alten Fotografie ein neues Momentum. The Recurring Frequency of a Fading Moment.

Ornella Fieres gibt in dieser Serie bewusst Kontrolle ab. Zwar haben einst Menschen die Algorithmen geschrieben, mit denen Computer die Bildinformationen umrechnen, versenden oder komprimieren. Die Anwender haben aber keinen Einfluss mehr auf die Rechengänge. Mit diesem Verzicht auf Beherrschbarkeit experimentiert die Künstlerin in fast alchimistischer Weise. Ihre Arbeiten verweisen auf unser tägliches Ausgeliefertsein an Algorithmen, die uns nicht bekannt sind, die wir nicht verstehen und über die wir keine Macht haben.

Der dritte Teil der Ausstellung besteht aus einer Videoarbeit mit drei Bildschirmen, die alte Tonbildaufnahmen zeigen. Bei ihrer Recherchearbeit stößt Ornella Fieres immer wieder auf Ablichtungen von Fernsehbildern aus den 1950er bis 1970er Jahren. Als es noch keine Screenshots gab und historische Momente noch kollektiv - weil zeitgleich - wahrgenommen wurden, fotografierten Menschen häufig Fernsehübertragungen. Dieser Akt des Festhaltens veranlasste die Künstlerin, selbst alte Dokumentarfilme abzufilmen. Diese Ton- und Bildaufnahmen wiederum verlangsamte Fieres um ein tausendfaches. Durch die Slow-Motion werden technisch unerklärliche Pixelübergänge sichtbar, gleich geheimnisvollen Artefakten. Durch das Abfilmen werden auch Halbbilder des Zeilensprungverfahrens sichtbar, die sonst vom menschlichen Erkenntnisapparat zusammengesetzt und daher nicht erkannt werden. Durch die Verlangsamung der Vertonung entsteht ein dröhnender, dumpfer Klang. Die alten Filme thematisieren die frühe computerbasierte Datenerfassung, die Erfindung der Zeitlupe sowie die Chemie der analogen Fotografie. So schließt sich der Kreis. Die vierte Werkgruppe zeigt auf Büttenpapier Standbilder aus den Filmen, darunter Texte, von Ornella Fieres aus Fragmenten der Off-Stimmen zusammengesetzt. Während der Besucher die Texte liest, schweben diese als Stimmen tausendfach verlangsamt im Raum.

Durch ihre Recherchearbeit beschwört Ornella Fieres Augenblicke der Vergangenheit. Wir sehen Menschen, die wir nicht kennen und die wahrscheinlich nicht mehr leben. Durch die Transformation, Dekonstruktion und Manipulation der Informationsträger und Erzählmedien stellen sich die Fragen nach Kontinuität, Abbildung, Wiederholung, Schein, Wahrnehmung, Lesbarkeit, Zeit und Erzählung neu. The Recurring Frequency of a Fading Moment.

Appearance and Time

In her second exhibition at SEXAUER, Ornella Fieres examines the epistemological question about the image and the meaning of time. She explores the transitions between analogue and digital imagery and investigates the information loss generated by the attempt to capture moments. For years she has been developing image and audio techniques for this purpose. With these methods she combines analog and digital media and merges different points in time.

For the exhibition The Recurring Frequency of a Fading Moment, Ornella Fieres worked with photography and film material from the 1940s to the 1970s. In the series "The Essence of a Moment / Fourier" (small frames with two pictures) she displays a historical photograph next to its visualized Fourier transformation. The Fourier transform is a compression algorithm that is the basis for known data formats such as JPG or MP3. By applying this algorithm, the image frequencies are analyzed and represented in a star-shaped coordinate system. A mathematical fingerprint of the image is created. The pictures next to each other indicate the same meaning, the same instance. But only the photographic image is accessible to the human visual comprehension. The "star shape" of the Fourier transform, on the other hand, can only be read by a computer. This juxtaposition of two forms of representation not only underlines and visualizes the different ways of analyzing data, but also raises the much older question of what an image actually is.

The series "The Essence of a Moment / Inverse Fourier" (large pictures) is a continuation of the technique described above. In these images, Fieres deletes data from the Fourier analysis and converts it back into an image. The destruction process is intuitive and can only be controlled by the artist to a limited extent. Fieres then leaves the creation of the recognizable image to the computer. The destruction of the information results in distorted, partly darkened images with mysterious duplications and shadowy outlines. In other words: After the artist's destructive intervention, the computer constructs a new moment using the remaining data from an old photograph. The Recurring Frequency of a Fading Moment.

Ornella Fieres deliberately gives up her control in this series. Even though humans once wrote the algorithms used by computers to convert, send or compress image data, users no longer have any influence on the calculation processes. The artist experiments with this lack of control in an almost alchemistic manner. Her works refer to our daily exposure to algorithms that we do not know, comprehend or have power over.

The third part of the exhibition consists of a video installation with three screens showing old documentary film recordings. In her research work, Ornella Fieres repeatedly encounters photographs of television screens from the 1950s to 1970s. At that time there were no screenshots yet and historical moments were perceived collectively - thus simultaneously - people often photographed television broadcasts. This act of capturing made the artist herself record old documentaries off of computer screens. Fieres then slowed down these sound and image recordings by over a thousand times. The slow motion makes technically inexplicable pixel transitions, like mysterious artifacts, visible. The recording process also visualizes interlaced images, which are otherwise assembled by the human cognitive apparatus and are therefore not perceived. The slowing-down of the audio results in a droning, muffled sound. The old films deal with early computer-based data acquisition, the invention of slow motion and the chemistry of analogue photography. Everything comes full circle. The fourth work group shows film stills on hand-made paper, including texts composed by Ornella Fieres from fragments of the off-voices of the documentaries. And while the visitor reads the text, the thousandfold slowed down voices simultaneously float in the room.

Ornella Fieres' research work conjures moments from the past. We see people we don't know and who are probably no longer alive. Through the transformation, deconstruction and manipulation of the information carriers and narrative mediums, questions of continuity, depiction, repetition, appearances, perception, readability, time and narrative arise anew. The Recurring Frequency of a Fading Moment.


Quelle: Facebook

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