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Pick

Gonjasufi (Warp Records) *live*

Spiritualität, Bass und Gänsehaut.

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Sat 22.04.2017 19:30
Gretchen, Berlin

Nachdem der Sohn koptischer Christen die Bekanntschaft mit dem Islam, insbesondere mit dessen mystischer Strömung, dem Sufismus, macht, nennt er sich Gonjasufi, lässt sich zum Yogi ausbilden und erteilt Yoga-Unterricht. Inzwischen schwärmen Flying Lotus, J Dilla-Buddy Mainframe und The Gaslamp Killer von der stark verzerrten, teilweise gebrochenen Bauchstimme des dreadgelockten Ex-Rappers und beteiligten sich an seinem Debüt „A Sufi And A Killer“, welches im Frühjahr 2010 auf Warp erscheint und als „psychedelischer Electro-Hop-Ethno-Blend mit Ritualgesängen“ gefeiert wird.

Unter dem Titel „The Caliph’s Tea Party” folgt im Herbst 2010 eine hervorragende Remixversion dieses Werks, die sich wie ein neues Studioalbum anhört. Gonjasufi, der sich auf der Flucht vor Polizeiwillkür und Repression in die Abgeschiedenheit der Mojave Wüste zurückzieht, lädt sich dafür eine Schar von Künstlern in seine musikalische Welt ein. Neben brillanten Bearbeitungen von Bibio, Dam Mantle, Jeremiah Jae, MRR, Shlomo und Hezus sorgt vor allem Mark Pritchard mit einer epischen, dystopischen Orchestrierung auf seinem Remix von „Ancestors“ für Gänsehaut. Das Herzstück liefern Broadcast & The Focus Group mit dem Titeltrack, einer Neuinterpretation von „DedNd“, die wie eine Suite aus übereinander geschichteten Kompositionen und radiophonischen Übertragungen im Stil der BBC der 60er erklingt. Ende Januar 2012 veröffentlicht er sein „Maulkorb“ betiteltes, neues Album „MU.ZZ.LE“.

Es ist das Statement eines aufrichtigen Mannes zu aktuellen Themen: Macht und Unterdrückung, Geldwahn, Redefreiheit, sein Leben nach einem Buch leben, mit dem auferlegten Maulkorb umgehen. Eigentlich als Teil eines Dreifach-Releases geplant, strotzt das 24-minütige Minialbum wie schon das Debüt vor tiefgehenden Botschaften. Die zehn rohen Songfragmente erinnern soundtechnisch an das Bristol der 90er, der unverkennbare Bezug zum Trip Hop dominiert dieses dunkle Werk.

Den Opener seines neues Albums „Callus“ beginnt er mit gesampeltem Publikumsapplaus. Der Bass kommt tief und düster daher. „Wie kann man diesen Schmerz nicht spüren?“ fragt der urbane Schamane in einer Presseerklärung. Es gehe „nicht darum, etwas hinter sich zu lassen, sondern in etwas hineinzuwachsen. Ich bin durch all diese Schichten gedrungen, um zum Kern vorzustoßen.“ Wilde Buschtrommeln werden durch die Echokammern gejagt, Höhen und Tiefen manipuliert, Instrumente verfremdet. So ist „Callus“ ein zutiefst persönliches und intimes Album, bei dem die zerrissene Essenz trotz klanglicher Hürden und Härten erfahrbar bleibt: „Hier in den USA sind wir mitten in einer politischen Katastrophe”, stellt Gonjasufi klar. "Viele fühlen sich hoffnungslos, während rassistische und religiöse Spannungen immer stärker werden. Wir müssen dem Hass ein Ende setzen.”

Momentan lebt er in einem Wohnwagen auf einem Walmart-Parkplatz in Washington, DC und kämpft von hier aus für seine Überzeugungen. „Es geht hier um Liebe. Der ganze Schmerz, die ganzen Missverständnisse sind immer noch da, aber ich bin hier, um das alles in mir aufzusaugen und etwas zu schaffen, das anderen hilft, da durchzukommen. Und keiner kann das aufhalten.“

Nach dem Konzert von Gonjasufi im Gretchen zu bleiben, lohnt sich diesmal übrigens besonders. Es gibt eine Aftershow-Party mit Daedelus.

Presented by hhv Records


Source: Facebook