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UM:LAUT - múm plays "Menschen am Sonntag"

TAGESTIPP Film Helmuts-List-Berlin

Das sagt der/die Veranstalter:in:

Die weltweit gefeierten Genre-Grenzgänger von múm vertonen ein Meisterwerk der deutschen Stummfilm-Ära: Pünktlich zur Berlinale sind die Isländer am 11. und 12. Februar in Trio-Besetzung zurück auf der UM:LAUT-Bühne und laden nach ihren gefeierten Vorstellungen im letzten Jahr erneut zu einem besonderen Film-Konzert ins RADIALSYSTEM V. Gemeinsam mit dem Perkussionisten Samuli Kosminen vertonen die múm-Gründer Gunnar Örn Tynes und Örvar Smárason den Film-Klassiker "Menschen am Sonntag" live. Der heute selten gezeigte, halbdokumentarische Film von 1930 galt bereits nach seiner Entstehung als ein Meilenstein des Kinos - für die Macher Billy Wilder, Edgar Ulmer, Fred Zinnemann und die Siodmak-Brüder war er das Sprungbrett nach Hollywood. Für diesen Klassiker, ein lebendiges Portrait Berlins und seiner jungen Bewohner zum Ende der 20er-Jahre, existierte nie eine Filmmusik. Zumeist wurde das Werk bei Aufführungen mit Liedern von Marlene Dietrich untermalt. Grund genug also, dass sich die Electronica- und Post-Rock-Forscher von múm diesem Zeitdokument ein weiteres Mal am Ort seiner Entstehung widmen und zu zwei besonderen Konzertabenden an der Spree einladen. Verspielte Electronica, sphärische Ambient-Sounds, experimenteller Indie-Pop: múm, "die vielleicht originellste Band Islands" (ByteFM), wurde 1997 gegründet. Ihr origineller und eigenständiger Sound sowie das spielerische Experimentieren mit traditionellen, elektronischen wie unkonventionellen Instrumenten hat die Band schnell zu einem der populärsten Acts aus dem hohen Norden gemacht. In den letzten Jahren ist das einstige Quartett aus Reykjavík im offenen Kollektiv aufgegangen und lotet mit zahlreichen Musikern und in wechselnder Besetzung die Grenzen experimenteller Hörerlebnisse aus. Neben CD-Veröffentlichungen entstanden u.a. auch ein Soundtrack zu dem Film "Panzerkreuzer Potemkin" von Sergej Eisenstein oder das gefeierte Orchesterwerk "Drowning" mit dem Pianisten Hauschka und dem MDR Sinfonieorchester. Mit Samuli Kosminen ist bei den beiden Konzerten im RADIALSYSTEM V ein Musiker mit auf der Bühne, der die Band regelmäßig auf Tour unterstützt. Er ist einer der gefragtesten und experimentierfreudigsten Perkussionisten und Produzenten Skandinaviens. Seine seltenen Live-Performances sind neben seinem virtuosen Spiel und den einzigartigen Klangwelten auch aufgrund seines umfangreichen Werkzeugs aus gesammelten und gefundenen Gegenständen und Instrumenten bemerkenswert. Menschen am Sonntag gilt als eines "der herausragenden Werke der deutschen Stummfilm-Avantgarde" (Lexikon des internationalen Films). Der Film schildert halbdokumentarisch das Leben junger Menschen in der Metropole Berlin am Ende der 1920er-Jahre. Auch wenn der Film in die Schlussphase der großen deutschen Stummfilm-Ära fällt, wirkt er weder nostalgisch noch rückwärtsgewandt, sondern durch die unkonventionellen und überraschenden Bilder vielmehr wie ein Aufbegehren gegen die ausgetretenen Pfade des alten Erzählkinos. Neben einzelnen bekannteren Protagonisten treten Laiendarsteller und ein unverbrauchtes, spontanes Spiel an die Stelle von Stars und eingeübten Bewegungen. Das noch unzerstörte Berlin, seine Menschen, Straßen, der Grunewald und die Havel sind Schauplatz und Statisterie zugleich - in "Menschen am Sonntag" passiert nicht viel, aber seine charmante, ehrliche und leicht ironische Beobachtung der Hauptstadt in sommerlicher Wochenendstimmung machen den Film zu einem lebendigen, unterhaltsamen und zeitlosen Dokument. Für die damals sehr jungen Filmschaffenden um den späteren Oscar-Preisträger Billy Wilder war der Film Abenteuer und Karrieresprungbrett, die Entstehungsgeschichte macht den Film zu einem der ersten Independentfilme und zu einem Vorläufer des Neorealismus der Nachkriegszeit. UM:LAUT ist eine Plattform für Künstler und Labels, die sich verschiedener musikalischer Traditionen bedienen und doch einzigartig und frei von Genregrenzen ambitionierte Projekte realisieren. Der Fokus der von Ben Czernek und Hannes Frey kuratierten Reihe liegt dabei auf Zwischenräumen und Schnittmengen, auf der experimentellen Bandbreite von klassischer und elektronischer Instrumentierung, Komposition und Improvisation, Club und Konzertsaal. UM:LAUT fördert insbesondere den Dialog mit anderen Kunstformen - Musik als Impulsgeber für Film, Video, Fotografie, Installation, Tanz und Performance. Ein Experimentierfeld für Kooperationen von Künstlern unterschiedlicher Disziplinen. Weitere Informationen unter www.umlautlive.de. https://youtu.be/z9sBRVOsQC4

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