Der Kölner Karneval – für Locals ein jährliches Highlight, für Unwissende oft ein großes Fragezeichen 🙃 So oder so, damit du dich an den Karnevalstagen nicht blamierst, haben wir dir zusammen mit der Akademie för uns Kölsche Sproch der SK Stiftung Kultur das kleine Karnevals-1x1 zusammengeschrieben. Denn was wäre der Kölner Karneval ohne das richtige Verständnis für die kölsche Sprache? 

Die Akademie för uns Kölsche Sproch der SK Stiftung Kultur hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Kölsche Sprache lebendig zu halten. Und was wäre da besser geeignet, als Kölsch aktiv zu sprechen? Die Seminare und Kurse an der Kölsch Akademie bieten von Einsteigerseminaren bis hin zu vielfältigen Themenkursen rund um Inhalte der Kölner Geschichte und Literatur, ein breites Angebot für jede und jeden. Du willst selbst kölsch lernen? Ab Ende Mai kannst du dich für die neuen Kurse anmelden! Alle Infos gibt es unter www.koelsch-akademie.de und auf den Social Media Kanälen @skstiftungkultur

Hier kommt jetzt unser kleines Karneval-1x1 👇

DIESE LIEDTEXTE VERSTEHST DU FALSCH

Wusstest du, dass die Akademie för uns Kölsche Sproch der SK Stiftung Kultur über 15.000 Titel in ihrer Kölsche Liedersammlung parat hat? Lass uns einige Texte davon doch mal genauer unter die Lupe nehmen! 

„Der Räuber in der Dachrinne“, „die supergeile Zicke“ oder „der Dudelkopp auf unserer Fahne“ – wenn du neu in Köln bist, hast du in den Kölschen Liedern 🎶 wahrscheinlich deine erste Begegnung mit diesen Figuren. Doch entgegen erster Vermutungen verbirgt sich hinter diesen Begriffen eine ganz eigene kölsche Bedeutung. Der Räuber lebt zum Beispiel ganz unbeschwert in den Tag hinein (auf Kölsch: in dä Dach rin), die "Zick" steht für die Zeit, und der "Duudekopp" entpuppt sich als der Totenkopf. 

An Karneval wirst du ganz bestimmt auch mal eine Polonaise zu dem Lied „Die Karawane zieht weiter“ von den Höhnern tanzen. Der hier oft missverstandene Text "Du mer ne, du’mer ne du’mer ne Klore" sollte dich nicht verunsichern – er bedeutet einfach nur "Gib mir nen Klaren (Schnaps)" und nicht etwa "Tu mir nicht klagen", wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Die kölschen Lieder sind voll von solchen charmanten Stolpersteinen, die das Singen umso amüsanter machen. Also keine Sorge: Wir Kölner:innen freuen uns über jede:n, der/die mit Begeisterung mitsingt – ganz gleich, wie textsicher du am Ende wirklich bist. 

© Markus Spiske

DO'S & DONT'S IM KÖLNER KARNEVAL

Obwohl der Karneval bis heute ungezügelt und fröhlich ist, gibt es einige Dinge auf die du auch als Imi (Nicht-Kölner:in) dringend achten solltest: 

DO'S

▶️ Auf die Kölschen Lieder ist man hier sehr stolz, deshalb freut sich jeder Jeck, wenn du die Lieder mitsingst – egal, ob du textsicher bist oder nicht. Da sich die Refrains immer wiederholen, kriegst du das aber safe gut hin! 

▶️ Gefällt dir ein Kostüm, dann immer raus damit! Damit machst du nicht nur andere happy, sondern lernst auch noch easy neue Leute kennen. So wird das Warten in den Kneipenschlangen gleich doppelt so lustig. 

▶️ Frei nach dem Motto: „ Genog es Genog“ darf in der Kölschen Kneipe gerne der Bierdeckel auf das Kölschglas gelegt werden, wenn man kein Kölsch mehr trinken möchte. Ansonsten fließt es nämlich weiter & weiter.

▶️ Gefällt dir die Location in der du bist: Bleib da! Einmal weggegangen heißt leider wirklich Platz vergangen.

DONT'S

▶️ Alle Sätze, die mit „ein dreimol…“ anfangen, werden mit „Alaaf“ beendet und mit keinem anderen Wort. Besonders das H-Wort (für alle Newbies: Helau) kommt an den tollen Tagen bei Niemandem gut an. 

▶️ Der Karneval ist keine Ausrede für übergriffiges Verhalten. Na klar, Bützjer und fröhliche Fisternöllchen (Kölsch für Verhältnisse sexueller Art) sind im Karneval herzlich Willkommen, jedoch sollten deine karnevalistischen Flirtereien nicht als Einladung für betrunkene Übergriffe gewertet werden. 

▶️ „Strüßje“ (Kölsch für Blümchen) bekommt man, danach brüllt man nicht. In den Veedelszügen und im Rosenmontagszug hört man immer wieder „Strüßje“-Schreie, jedoch ist ein Blümchen wie ein schönes Kompliment: Danach braucht man nicht zu fragen, man bekommt es. 

© Chris Barbalis

BACK TO THE ROOTS DES KÖLNER KARNEVALS

Der Kölner Karneval ist noch nicht immer so, wie wir ihn heute kennen. 👀 Insbesondere der Sitzungskarneval existiert erst seit etwa zweihundert Jahren. Im Jahr 1823 wurde das Festordnende Komitee (heute bekannt als Festkomitee Kölner Karneval 1823 e.V.) ins Leben gerufen, um den zuvor wilden Kölner Straßenkarneval in geordnete Bahnen zu lenken. Die Gründung erfolgte vor allem, um die damaligen Besatzer Kölns, die Preußen, zu besänftigen. Der anarchische und schwer kontrollierbare Straßenkarneval war ein Dorn im Auge der preußischen Verwalter.

Viele der heutigen Karnevalstraditionen, darunter die Uniformen der Funken und die Orden, sind bis heute eine satirische Verbeugung vor dem Militarismus der damaligen französischen und preußischen Verwalter Kölns. Der Held des Karnevals, Vorläufer des heutigen Prinzen, betrat erstmals die Bühne während des ersten Rosenmontagszuges auf dem Kölner Neumarkt. In einem goldenen Delfin, der heute eher wie eine skurrile Mischung aus Fisch und chinesischem Drachen erscheint, drehte er seine Runden.

🤫 Good to Know: Der erste Rosenmontagszug fuhr tatsächlich im Kreis wie ein Karussell. Diesen Drehwurm muss man glücklicherweise heutzutage keinem Jecken mehr zumuten!

Rausgegangen & die Akademie för uns Kölsche Sproch der SK Stiftung Kultur wünschen dir viel Fun an Karneval 🎊✨ Und wenn du es zu doll treiben solltest: Kein Problem, die Schuld hat wie immer der Nubbel!